Der juristischen Prüfung standgehalten, der moralischen nicht

4. November 2008 | Von | Kategorie: Feuilleton, Leitartikel | 10 Kommentare |

Mal angenommen, in Deutschland erscheint ein Buch, in dem es hauptsächlich darum geht, zum Hass gegen Menschen christlichen Glaubens aufzustacheln. Ein Buch, in der Einzelfälle und Extreme – Beispielsweise eine Meldung wie die aus Die Presse: „Familienehre“: Ägyptische Christen töten Moslem“ – pauschal und ohne Differenzierung auf alle Christen übertragen werden.

ADAC Motorwelt, Cicero, Polizeigewerkschaft

ADAC Motorwelt, Cicero, Polizeigewerkschaft

Ein Buch, in der ein strafbewährter Verbot der Verherrlichung von Jesus gefordert wird. Ein Buch, in der ein Verbot für Verkauf und Ãœberlassung der Bibel gefordert wird sowie die Anbringung von Warnhinweisen auf den Büchern – ähnlich den Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen. Ein Buch, in der Christen als „Frankenstein-Monster“ oder Deutsche Jugendliche als „Generation Kill“ bezeichnet werden. Ein Buch, in der die Enteignung der Kirchen, Verbot von christlichen Feiertagen und Feierzeremonien, Schließung von kirchlichen Schulen in ganz Europa und Zinsverbot gefordert wird. Ein Buch mit vielen weiteren haarsträubenden Forderungen und „gut gemeinten“ Handlungsempfehlungen für muslimische Leser.

Als Hirngespinste und Phantastereien eines Autors, würde das Buch untergehen und nicht einmal registriert werden. Dem Autor und dem Verlag bliebe – wollen sie das Buch unter die Leute bringen – nur noch die Möglichkeit der Werbung. Wohl oder Ãœbel müssten sie gegen Bezahlung Anzeigenplätze in Printmedien kaufen, wobei auch dort Hürden überwunden werden müssen. Welcher seriöse Verlag und Herausgeber würde in seinen Printerzeugnissen Werbeplatz für so ein Pamphlet bieten?

Eine Anzeige in einem seriösen Blatt dürfte jedenfalls kaum möglich sein. In der monatlich erscheinenden Zeitschrift ADAC Motorwelt mit einer Leserschaft von ca. 20 Millionen, in der Zeitschrift der Polizeigewerkschaft oder in einer Zeitschrift wie Cicero, könnte man meinen, ist kein Platz für eine Buchanzeige mit solchen Inhalten. Zu keinem Preis.

Die ADAC beispielsweise würde sich davor hüten, 14 Millionen Haushalte mit einer Anzeige zu konfrontieren, in der für ein solches Buch geworben wird oder die Polizeigewerkschaft würde für keine Publikationen werben, in der möglicherweise strafrechtlich relevante Inhalte verbreitet werden. Und bei Cicero würde die politische Debattenkultur schließlich auch irgendwo aufhören.

So oder so ähnlich würde es wahrscheinlich aussehen, wenn das Buch gäbe. Ganz anders sieht es dagegen aus, wenn in dem Buch nicht gegen Christen sondern zum Hass gegen Muslime aufgestachelt wird. In einer Ausgabe von ADAC Motorwelt, in einer Zeitschrift der Polizeigewerkschaft und auch in der Cicero wird aber für ein solches Buch geworben.

Darin wird natürlich nicht ein Verkaufsverbot für die Bibel gefordert oder die Enteignung der Kirchen oder ein Zinsverbot. Gefordert werden Koranverbot, Verbot für schariakonforme Geldanlagen, Enteignung von Moscheen und viele andere verfassungswidrige Phantasien. Die oben beispielhaft aufgeführten Beispiele lassen sich eins zu eins übertragen.

Auf eine Anfrage der türkischen Tageszeitung Zaman gab der Anzeigenverkaufsleiter der ADAC Motorwelt jedenfalls eine kurze Stellungnahme ab, wonach die Anzeige einer juristischen Prüfung standgehalten habe. Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Polizeigewerkschaft, soll nach Angaben von Zaman ebenfalls nichts gefunden haben, was im Umkehrschluss Meinungsfreiheit bedeute. Die Zeitschrfit Cicero gab bei einer telefonischen Anfrage dagegen eine andere Erklärung ab: Cicero pflege die Debattenkultur und die Anzeige sei ein Teil davon.

Offensichtlich wissen die bei Cicero nicht mehr, woher der Name des Magazins kommt, für den sie arbeiten. Marcus Tullius Cicero war es, der den Ausdruck philosophia moralis als Übersetzung von êthikê verstand.

Wenn die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Tübingen abgeschlossen sind, werden wir mehr über das juristisches Urteilsvermögen der Verantwortlichen bei ADAC und der Polizeigewerkschaft erfahren und auch mehr über die Grenze zwischen der Förderung einer gepflegten Debattenkultur und der Anpreisung strafrechtlich relevanter Inhalte.

Die Moral der Geschichte? Es gibt keine – von Moral keine Spur.

10 Kommentare
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  1. Wie lautet der Titel dieses Buches?

  2. @ kontra:

    Ich werde für das Ding doch nicht auch noch PR betreiben. 🙂

    Aus dem, was ich geschriebe habe, kommt die Geisteshaltung des Autors deutlich zum Ausdruck. Der Titel des Buches ist irrelevant. Hier geht es weniger um das Buch sondern um die Anzeigen auf den oben genannten Magazinen. Auf Ihre Frage werden aber andere sicherlich antworten.

  3. ich geh mal davon aus, dass das Buch von diesem Ulfkotze gemeint ist.

    (Ich hoffe ich habe den Namen richtig geschrieben)

    Wenn es dieses Buch ist, wurde es im Ãœbrigen auch bundesweit als rtv Beilage in Tageszeitungen beworben.

    LI

  4. Dieser Ulfkotte ist doch der wahre Satan/Seytan 🙂

    Seine Seite ist … wie soll man sagen? selber schauen..!! hier bitteschön:

    klick ma

    Darf man sowas eigentlich reinsetzen?? wenn nisch.. den Link einfach wegmachen bitte;)

  5. Naja, da sieht man mal wieder, von welchen Medien, Verlägen und Vereinen man sich fernhalten sollte. Meine Kündigung bei der ADAC wird schon mal vorbereitet. Es gibt auch andere Automobilclubs.

  6. Lieber Herr Senol,
    ich denke Sie betreiben keine PR, wenn Sie schlicht schreiben, um welches Buch es sich handelt. Sie können doch nicht ernsthaft eine Brandrede über die Magazine halten, die die Anzeigen eines Buches akzeptieren, dessen Titel Sie nicht nennen.

    Meinen Sie nicht, dass Ihre Leser mündig genug sind, um zu entscheiden, ob Sie das Buch lesen wollen oder nicht?

    Es geht mir natürlich um´s Prinzip. Mit ein wenig Recherche lässt sich ja im Internetzeitalter so gut wie alles sehr schnell finden.

  7. @ kontra:

    Ich geb ja zu, dass ich mir wie im Kindergarten vorkomme – ich weiß was, was du nicht weißt. Ätschi, ätschi pätschi.

    Dennoch wehre ich mich gegen den Gedanken, irgendwen auch noch neugierig auf so etwas zu machen. Die Erfahrung zeigt, dass sich viele Menschen von solchen Schriften gerne mitreisen lassen und nicht zu unterscheiden wissen, zwischen Einzelfall und Generell.

    Was die Mündigkeit angeht: Mündig sind die sicherlich die allermeisten der Leser. Ein Beispiel verdeutlicht es vielleicht besser. Georg W. Bush wurde auch von mündigen Wählern im Amt bestätigt. Als der Fehler erkannt wurde, war es zu spät. Er blieb für weitere Jahre Präsident.

    Und schließlich bin ich der Überzeugung, dass die Inhalte in diesem einer strafrechtlichen Überprüfung nicht standhalten, da sie gegen einen Bevölkerungsteil massiv anstachelt.

    Bei solchen Inhalten, egal wer gegen wen, habe ich ein ungutes Gefühl, wenn ich es noch mit Autor und Titel benenne. Sie kennen sicherlich den Spruch, wenn etwas verkauft werden soll: No news is bad news. Und es gibt viele Beispiele in der Literaturwelt, wo Bücher nur deshalb gekauft wurden, weil sie in Rezensionen zerrissen wurden.

    Sehen Sie es mir nicht nach, wenn ich beim ätsch bleibe, zumal das Herausfinden, wie Sie es zutreffend ja schreiben, für jeden eh ohne weiteres möglich ist.

  8. Ich würde das Buch auch nicht nennen… Es gibt eben schlechte und gute Publicity. Letztendlich ist aber beides Werbung.

  9. Lieber Herr Senol,
    ich kann Ihre Gedanken nachvollziehen, aber nicht verstehen. Natürlich müssen Sie nicht sämtliche Informationen, über die Sie verfügen, hier preisgeben. Aber Sie schreiben über ein Buch, machen auf dessen Inhalte aufmerksam, verweisen darauf in welchen Magazinen Anzeigen zu finden sind – dadurch wecken Sie bereits Neugierde. Ihrer Logik nach, dürften Sie überhaupt nicht über dieses Buch berichten.
    Wenn Sie aber Autor und Titel aus Angst vor zu viel PR nicht nennen wollen, bedeutet das, dass Sie Ihre Leser schlicht für zu dumm halten, selber zu entscheiden, was sie von diesem Buch halten sollen. Ihr Bush-Beispiel bestätigt diese Sicht. Es gibt aus gutem Grund kein abgestuftes Wahlrecht. Jeder hat nur eine Stimme Herr Senol, Sie genauso wie diejenigen, die George W. Bush gewählt haben.
    Sie sind der Überzeugung, dass die Inhalte einer strafrechtlichen Überprüfung nicht standhalten. Ok, gut. Geben Sie Ihren Lesern die Möglichkeit, sich selber ein Bild zu machen. Schließlich ist Ihr juristisches Urteil in diesem Fall umstritten.

  10. @ kontra:

    Ihrer Logik nach, dürften Sie überhaupt nicht über dieses Buch berichten.

    Ich schrieb über die Anzeigen in den Zeitschriften. Das Buch allein wäre mir kein Wort wert gewesen. Außerdem schrieben Sie:

    Es geht mir natürlich um´s Prinzip.

    Geben Sie mir bitte auch die Freiheit, so ein Pamphlet aus Prinzip nicht beim Namen zu nennen. Zumal es für Neugierige ja Möglichkeiten gibt:

    Mit ein wenig Recherche lässt sich ja im Internetzeitalter so gut wie alles sehr schnell finden.

    Diese Diskussion wird sich – nur so ein Gefühl – im Kreis drehen.

 

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