Die Mär vom Spieglein, Spieglein an der Wand…

9. Februar 2010 | Von | Kategorie: Leitartikel | 17 Kommentare |

Anlässlich der Feierlichkeiten zur Gründung des Ministeriums für Auslandstürken in der Türkei sprach der Türkische Premier Recep Tayyip Erdogan vor zahlreichen Vertretern türkischer Minderheiten und Moscheevertretern aus dem Ausland.

Der Türkische Premier Recep Tayyip Erdogan

Der Türkische Premier Recep Tayyip Erdogan

Erdogan hob die Bedeutung des Ministeriums für die Auslandstürken hervor und definierte klare Ziele für den Beauftragten: „Was ist der Kern oder die Gemeinsamkeit all der verschiedenen Gruppen, die hier anwesend sind? Ich würde sagen: das Bekenntnis zur eigenen kulturellen Identität. Das vereint Sie, verbindet Sie und das lässt Sie trotz unterschiedlicher Lebenssituationen auch immer wieder zusammenfinden und dem Beauftragten sagen, worum es eigentlich in der Ausführung dieser Aufgabe geht. Ich glaube, es ist auch richtig und wichtig, dass wir uns immer wieder vergegenwärtigen, dass es ein ureigenes und auch ein ganz natürliches Bedürfnis ist, die eigene Sprache zu sprechen und die eigenen Traditionen, Sitten und Bräuche zu leben und zu beleben. Genau das soll auch in der Zukunft weitergeführt werden.

In seiner Rede ging Erdogan auch auf Probleme mit Staaten ein, die sich eine Einmischung der türkischen Regierung nicht wünschen. „Das ist nicht immer einfach gewesen; da gab es dicke Bretter zu bohren. Das wird in gewisser Weise auch so bleiben. Es gab eine Menge Skepsis gegenüber unserer Unterstützung. Wir haben immer versucht, dieses Misstrauen abzubauen, allerdings mit einem klaren Kompass, nämlich dass es unser Recht und unsere Pflicht ist, diese Minderheiten auch außerhalb der Türkei zu unterstützen.

Im weiteren Verlauf seiner Rede zitierte Erdogan den türkischen Innenminister Besir Atalay: „Die Qualität einer freiheitlichen Gesellschaft bewährt sich nicht zuletzt darin, wie mit Minderheiten umgegangen wird und wie sich Minderheiten in einer Gesellschaft fühlen.“ Dabei legte Erdogan auf dieses „Fühlen“ ausdrücklich Wert: „Es kann ja sein – das ist auch im Gespräch mit den Titularnationen immer wieder möglich –, dass die meisten finden, alles sei in Ordnung, nur die, um die es geht, fühlen das nicht. Deshalb will ich ausdrücklich sagen: Es geht darum, dass sie sich gut fühlen, und nicht, dass wir oder dass andere Länder glauben, sie täten schon alles, was notwendig ist. Das ist die Grundlage des Gesprächs.

Faruk Celik, Beauftragter für Auslandstürken, hingegen machte auf die Notwendigkeit von türkischen Schulen im Ausland aufmerksam: „Im Zuge einer so verstandenen Hilfenpolitik kommt der Sprachförderung und der Förderung eines türkischen Schulwesens, das an die Bedürfnisse der türkischen Minderheit anknüpft, eine zentrale Bedeutung zu.

Eine klare Ansage
Viel Stoff für kontroverse Diskussionen. Erdogan gibt unmissverständlich vor, dass sie die Minderheiten außerhalb der Türkei dabei unterstützen werden, ihre kulturelle Identität, ihre Sprache, Traditionen, Sitten und Bräuche zu erhalten – zur Not auch gegen den Willen der Titularnationen. Denn entscheidend sei, wie sich die Türken im Ausland fühlten. Sich dafür einzusetzen sei das Recht und die Pflicht der Türkei. Der türkische Beauftragte hingegen scheint die Debatte um türkische Schulen in Deutschland erneut entflammen zu wollen. Insgesamt eine klare Ansage an alle Staaten, in denen türkische Minderheiten leben.

So manch einer wird an dieser Stelle möglicherweise enttäuscht sein, wenn er liest, dass hier weder Erdogan oder Atalay noch Celik zitiert wurden. Nein, es sind nicht die Worte des türkischen Premiers, Innenministers und Beauftragten; es sind Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Wolfgang Schäuble und des Beauftragten der Bundesregierung, Christoph Bergner. Und wenn wir schon dabei sind: An dieser Stelle macht es Sinn, in den ersten vier Absätzen Türkei durch Deutschland, Türken durch Deutsche, türkisch durch deutsch, und Moschee durch Kirche zu ersetzen.

Und selbstverständlich fielen diese Worte auch nicht bei den Feierlichkeiten zur Gründung des Ministeriums für Auslandstürken, die tatsächlich ins Leben gerufen werden soll. Nein, diese Worte fielen – knapp sieben Monate nach dem Auftritt Erdogans in Köln im Februar 2008 – anlässlich der Feierlichkeiten zum „20 Jahre Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten.“ Kurz: 20 Jahre Beauftragte für Auslandsdeutsche.

Wieso dieses Rollenspielchen?
Der Berliner Innensenator Erhard Körting (SPD) hatte sich kürzlich über die Türkei beschwert und gemeint, dass dessen Einmischung die Integration der in Deutschland lebenden Türken erschwert. Er habe den Eindruck „etwa durch das kürzlich gegründete Ministerium für Auslandstürken -, dass der türkische Staat seine ehemaligen Bürger nach wie vor mit Beschlag belegt und meint, deren Angelegenheiten regeln zu müssen – als sei der türkische Staat für die in Deutschland lebenden Türken verantwortlich. Für die hier lebenden Türken sind aber wir in Deutschland verantwortlich.

Download: Die Reden von Angela Merkel, Wolfgang Schäuble und Christoph Bergner und viele weitere lesenswerte Beiträge für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund sind in dem Band „Aussiedler- und Minderheitenpolitik in Deutschland“ [pdf] festgehalten.

Mehr als Körtings Äußerungen aber drängten folgende Worte Angela Merkels zu diesem Rollenspiel: „Die Garantie ihrer [gemeint sind Minderheiten in Deutschland] jeweiligen kulturellen Identität ist uns ein wichtiges Anliegen. So, wie wir mit den Minderheiten umgehen, die bei uns leben, so erwarten wir auch, dass Titularnationen mit den deutschen Minderheiten umgehen.

Wieso, Frau Merkel, werden an dieser Stelle viele Leser schmunzelnd-ungläubig mit dem Kopf schütteln und sich insgeheim dennoch wünschen, dass Sie mit aller Konsequenz hinter Ihren Worten stehen?

17 Kommentare
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  1. Anstatt ein „Ministerium für Auslandstürken“ zu gründen, sollte uns „Auslandstürken“ endlich auch das Wahlrecht an Wahlen in der Türkei zugestanden. Die meisten brauchen das sicherlich nicht, um sich ihrer Heimat verbunden zu fühlen – sie würden viel lieber von ihrem Recht als Staatsbürger gebrauch machen wollen.
    Um das verbotene Briefwahlrecht wenigstens teilweise zu egalisieren, könnten zu den Wahlen alternativ die mindestens 15 Konsulate als Wahllokale fungieren.
    So aber, wo wir leben und arbeiten, dürfen wir nicht wählen – von dort, wo wir kommen und deren Staatsbürger wir sind, ebenfalls nicht. Absurd.
    http://www.tgmn.de/index.php?module=Pagesetter&func=viewpub&tid=27&pid=19

  2. Angela Merkel: „Die Garantie ihrer [gemeint sind Minderheiten in Deutschland] jeweiligen kulturellen Identität ist uns ein wichtiges Anliegen. So, wie wir mit den Minderheiten umgehen, die bei uns leben, so erwarten wir auch, dass Titularnationen mit den deutschen Minderheiten umgehen.“ Da ist doch nichts mehr hinzuzufügen. Ethnische und religiöse Minderheiten in Deutschland können unter den Schutz der Verfassung die für alle gilt, Leben, Lernen, Arbeiten, Ihre Religion ausüben, inkl. dazu Grundstücke und Gebäude erwerben oder zu errichten.
    Können das Christen, Juden oder Hindus als Minderheiten auch im Iran, Irak, Türkei oder Ägypten? Ich glaube daß sie das dort (leider) nicht können. Also schmunzeln über die Aussage von Frau Merkel ist solange nicht angebracht, wie Menschen wegen ihrer Religionsausübung dort massivst behindert oder ermordet werden. Ich spreche hier nicht von ein paar radikalen Idioten, die gibt’s in Deutschland auch. Nein ich spreche von Umgang des Staates, also des Gemeinwesens mit Minderheiten, hier religiösen Minderheiten.

  3. Sie meinen also: „Da ist doch nichts mehr hinzuzufügen. Ethnische und religiöse Minderheiten in Deutschland können unter den Schutz der Verfassung die für alle gilt, Leben, Lernen, Arbeiten, Ihre Religion ausüben, inkl. dazu Grundstücke und Gebäude erwerben oder zu errichten.“
    Daß ich nicht lache ! Komischerweise wird die Verfassung, von der sie reden, immer zum Nachteil der Muslime ausgelegt. Man denke an das Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen, die ewigen Zankereien und Verbote bei der Errichtung von Moscheen (gar in Hinterhöfen), an den Tierschutzartikel im GG, der schleunigst eingefügt wurde, um nur ja nicht das Schächturteil des BVerfG befolgen zu müssen, etc. etc. Erst jüngst wurde durch eine Untersuchung zudem festgestellt, daß ausländische (vor allem türkische) Bewerber bei gleicher Qualifikation wesentlich schlechtere Chancen bei der Einstellung haben als deutsche.
    Man denke ferner an die Verweigerung der doppelten Staatsangehörigkeit, die ggü. türkischstämmigen deutschen gilt, für Menschen aus den Phillippinen wiederum nicht. Ein Schelm, wer böses dabei denkt….

    Daß Menschen in der Türkei wegen ihrer Religionsausübung massivst behindert oder gar ermordet werden, halte ich für ein wiederliches Gerücht. Wie erklären Sie es sich daß es in Istanbul 150 Kirchen gibt ? Auf die Antwort bin ich gespannt.

  4. Sehr geehrter Herr Özgyr,
    bitte, wie kommt es, dass Lehrer in der Türkei in den Schulen Uniforn tragen müssen und kein Kopftuch tragen dürfen?

  5. @ Georg Haubner,

    1.) Die Lehrer in der Türkei tragen in den Schulen keine Uniformen.
    2.) Das Kopftuchverbot in der Türkei wurden von denjenigen sekulären Kräften durchgesetzt, deren Verständnis von Religionsfreiheit genau so subjektiv eingeschränkt ist wie das von der Judikative und der Legislative hier in Deutschland.
    Sie verwenden hier also das Argument, die Türken hier in Deutschland sollen nicht nach Rechten verlangen, welche sie in der Türkei auch nicht hätten? Das ist ja ein ideologisch eingefärbtes Demokratieverständnis. Somit soll Deutschland in dieser Hinsicht nicht besser sein als die Türkei!? So relativiert man also die Beschneidung der Religionsfreiheit in Deutschland.
    Schon merkwürdig, da schreit jeder nach den Rechten für die Minderheiten in der Türkei, aber die mangelnden Rechte für die Mehrheit der Bevölkerung interessieren keinen in Europa. Ganz im Gegenteil, diese werden auch noch als Munition für das Türken-Bashing missbraucht.

    @ norwin
    schon lustig, wie wenig Ahnung Sie von der Geschichte der religiösen Minderheiten in islamischen Ländern haben. In diesen Ländern haben christliche Minderheiten überlebt, welche im katholischen bzw. protestantischen Europa nie überlebt hätten (und auch nicht haben). Von den jüdischen Gemeinden ganz zu schweigen.
    Es gibt alleine in der Türkei nach unterschiedlichen Quellen zwischen 300 und 500 (offizielle) Kirchen, von denen zugegebenermaßen z..Z. nicht alle genutzt werden, aber nach türkischem Recht zukünftig als Kirchen genutzt werden könnten. Es gibt außerdem hunderte inoffizielle Kirchengemeinden, die vom türkischen Staat bewusst geduldet werden. Diese Gemeinden beklagen sich, dass sie nicht als kirchliche Gemeinden, sondern nur als Vereine anerkannt sind. Es gibt ca. 150.000 Christen in der Türkei.
    Wie sieht es nun in Deutschland aus?
    Es gibt ca. 1200 bis 1400 Moscheen (inkl. der Hinterhofmoscheen) bei einer Einwohnerzahl von ca. 3,5 Mio Muslimen in Deutschland. Alle Moscheegemeinden sind als Vereine eingetragen. Eine andere Möglichkeit gibt es auch hier in Deutschland nicht. Wer außerdem rechnen kann, wird feststellen, dass es relativ gesehen mehr Kirchen in der Türkei als Moscheen in Deutschland gibt. SO WHAT? Wo liegt denn das Problem?
    Die in islamischen Ländern ermordeten Christen kann man nicht den Regierungen ankreiden. Spinner und Arschlöcher, die vor Mord nicht zurückschrecken, gibt es leider überall. Aber kein Türke hat die Opfer von Mölln und Solingen der deutschen Regierung angelastet. Wer so etwas tut, betreibt billigste Polemik, egal auf welcher Seite er steht…

  6. Transat AG2R…

    Transat AG2R 2010 La Mondiale (Concarneau – Saint Barth) : le site d’Henri-Paul Schipman et Pierre Canevet est en ligne. Suivez chaque jour leurs billets transmis depuis leur bateau par satellite….

  7. Was soll denn das, in welch einer „Bananen-Republik“ leben wir hier in Deutschland, dass wir uns von einem Mitglied eines orientalischen Staates solch eine Aussage anhören und vielleicht auch noch „praktizieren“ sollen?????

    Der türkische Minister für Auslandstürken – man stelle sich ein “Ministerium für Mallorca-Deutsche” vor! – hat europäische Staaten aufgefordert, eine eigenständige Identität von türkischen Einwanderern zu respektieren.

    Assimilierung sei eine Erniedrigung der Migranten, sagte Faruk Celik in Ankara zum Auftakt einer internationalen Fachtagung zu Auswanderung und Migration von Türken. Zwar sollten sie beispielsweise die deutsche Sprache erlernen, Unterschiede jedoch seien ein Reichtum. Die Einwanderer hätten auch durch Kultur und Religion einen Beitrag geleistet, nicht nur durch ihre Arbeit, deshalb fühlten sie sich nicht als Gäste dieser Staaten, sondern als die Herren, möchte man hier unwillkürlich hinzufügen?!

    Zudem forderte der Minister die europäischen Aufnahmeländer auf, “Benachteiligungen” der Auslandstürken im Arbeitsleben und der Gesellschaft zu beenden. Ziel des Treffens, auf welchem der Minister die Äußerungen tätigte, sei, die Außenpolitik der Türkei auf dem Weg in die Europäische Union zu stärken.

    Ich übersetze mal ins Deutsche: “Die Türkei ist zu 4 % unser Brückenkopf nach Europa (was ist aber mit den restlichen 94 %, brauchen wir die auch?); die Türken hier in Europa sollen sich zwar soweit anpassen, dass sie sich auf Deutsch über Diskriminierung beklagen können, aber letztendlich sind und bleiben sie doch nur eine Vorhut derjenigen, die mit einem EU-Beitritt Europa überfluten und weiter islamisieren werden.” ?!

    Wenn man es sich so richtig überlegt, bedeutet das, dass diese „klaren“ Worte aus der Türkei bedeuten sollen, dass Türken immer Türken bleiben sollen? Wenn ja, wäre das sicher gut und richtig, auch im Deutschen Interesse, denn so Unrecht hat Faruk Celik gar nicht, ich möchte auch nicht, dass sich die integrationsunwilligen Türken hier weiter asozialisieren. Diese „Benachteiligung“ muss insofern beendet werden, in dem man ihnen die Rückkehr in ihr Urspungsland erleichtert.

    Ausserdem, überlegt man eigentlich nicht, dass mit diesen Äusserungen eines Mitgliedes einer ausländischen Nation sich die Deutschle Bevölkerung diskrimminiert fühlen könnte mit diesen Forderungen und die Kluft der türkischen Einwanderer zu der deutschen Mehrheitsgesellschaft immer grösser wird?

    Zum Schluss frage ich, wenn die Assimilation der Türken, welche in Europa leben, so ein schlimmes Verbrechen ist, dann ist es wohl auch ein Verbrechen, wenn ich als Deutsche mich gegenüber den türkischen Einwandern „assimilieren“ soll, oder etwa nicht? Denn andersherum gibt es auch „einen Schuh“: Soll i c h mich als Deutsche in Deutschland den Türken gegenüber anpassen und mich evtl. assimilieren?

    Machen wir also gemeinsam was möglich ist: „Leben wir miteinander und nicht gegeneinander “

    meint Pragmatikerin

  8. Nachtrag zu meinem obigen Beitrag!

    Die Probleme, die wir hier ansprechen, gibt es seltsamerweise nur in Deutschland. In den USA sagt ein (integrierter) Einwander spätestens in der nächsten Generation, dass er US-Amerikaner ist. Er wird sie befremdet ansehen, wenn sie ihn fragen, woher seine Vorfahren kommen, denn das ist für ihn völlig unerheblich. Er ist US-Amerikaner, fertig, aus!

    Die haben in den Vereinigten Staaten auch sicher nicht so viele nichtintegrierte Türken, oder? (mich würde mal die Zahl der in den USA lebenden Türken interessieren, gibt es die überhaupt?)

  9. Pragmatikerin, auch wenn ich in einem Beitrag zuvor etwas polemisch Ihnen gegenüber war, ohne vorher Ihre anderen Beiträge gelesen zu haben, so stimme ich Ihnen in einem Punkt voll und ganz zu:

    Machen wir also gemeinsam was möglich ist: “Leben wir miteinander und nicht gegeneinander ”

    In Einwanderungsfragen ist auch in den USA nicht alles so fein, wie es manchmal dargestellt wird, wenn Sie z.B. die Situation der mexikanischen Einwanderer betrachten. Menschen verlassen ihr Heimatland aus den unterschiedlichsten Gründen, z.B. aus Abendteurlust, aus Liebe zu einem Land, zum Studium, aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen, etc. Und so unterschiedlich die Gründe sind, so unterschiedlich ist ihr Ankommen in den jeweiligen Ländern. Es ist sicher richtig, dass viele Menschen ohne besondere Vorkenntnisse nach Deutschland migriert sind. Anstatt auf deren „Andersartigkeit“ herumzureiten, oder „das Fremde“ als Bedrohung zu sehen, was ich nicht auf Sie bezogen meine, sondern allgemein, halte ich es für besser, Einwanderern aufgeschlossen zu begegnen. Das gilt übrigens nicht nur in Bezug auf Einwanderer, sondern in Bezug auf alle Menschen unabhängig von Nationalität, Hautfarbe, Geschlecht, Qualifikation, Einkommen, Status, Sexualität, Behinderung, etc.

    Auf der politischen Bühne erwarte ich in dieser Hinsicht nicht viel, egal von welchem Land, es sei denn, ich werde Weltpräsident, aber selbst dann nicht. 😉
    Ich denke, dass Erfolge im Kleinen erzielt werden können, also im privaten Umfeld, im Freundeskreis oder bei der Arbeit. Durch Vorleben, durch Gespräche, auch und gerade die Arbeit an sich selbst, Liebe zu sich selbst und anderen Menschen, Liebe zum Leben. Kurz: Gutes tun! Und wenn das Nachahmer findet, hat man meines Erachtens viel erreicht, viel mehr jedenfalls, als eine müsige und sinnlose Diskussion darüber zu führen, ob Assimilation ein Verbrechen ist oder nicht.

    Miteinander leben!

    Peace
    Abdul

  10. @ Abdul

    ich halte in Deutschland auch nichts vom „Political correctness“ denn es muss in einer Demogratie möglich sein, Wahrheiten auszusprechen und natürlich nach Möglichkeit mit diesen Wahrheiten nicht zu verletzen!!!!!! Was aber gerade bei Muslimen, gegenüber den anderen Nationen welche hier in Deutschland eine neue Heimat gefunden haben, nicht möglich ist (nach meinen schlechten Erfahrungen) ist, sie wollen sich zwar in Deutschland ein lebenswerteres Leben als in ihrem Urspungsland aufbauen, das Umfeld soll aber das gleiche sein!!!!!! Wie sonst wäre es möglich, dass wir soviele Parallgesellschaften türkischer Prägung in unseren Grossstädten haben? Es sind nicht nur die protzigen Moscheen die mir ein Dorn im Auge sind, ich empfinde sie zwar nicht als Bedrohung (für was?) aber sie passen einfach nicht vom Baustil in unser Land. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass in der Türkei katholische Kirschen aus dem gleichen Grund nicht gemocht werden, sie stören…………….. Ausserdem, wie kann es sein, dass eine an sich kleine muslimische Gemeinde solche Bauten bezahlen kann? Meiner Meinung nach müssen da ganze andere Interessen dahinter stecken…….

    Ich gebe Ihnen Recht, dass man allen Menschen „unabhängig von Nationalität, Hautfarbe, Geschlecht, Qualifikation, Einkommen, Status, Sexualität, Behinderung“ aufgeschlossen begnenen soll, ich habe da selbstverständlich keinerlei Vorbedingungen, aber leider habe ich bei den Muslimen (und hier Türken) keine Erfahrungswerte, denn ich „kenne“ Türken – im Gegensatz zu anderen Nationen – nur aus der Ferne und was ich so in Frankfurt unter „türkisch“ erlebe – und das gefällt mir überhaupt nicht!!!!!!!!!

    Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag

    Pragmatikerin

  11. Verbesserung: Kirschen = katholische Kirchen 😉

  12. Nur noch mal ganz kurz, quasi vor dem Abflug. Aus Ihren Beiträgen lese ich Verbissenheit heraus. Bitte lesen Sie nochmals meinen oben stehenden Beitrag. Fragen Sie morgen vielleicht bei Gelegenheit den Pastor Ihrer Kirche, wie Jesus den Ausspruch „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ gemeint hat. Und dann bitte lesen Sie nocheinmal was ich oben schreibe. Ich möchte hier keine verbissenen Diskussionen über Islam, Türken oder sonstigen Religionen, Nationalitäten und Politik führen. Ich schätze ausgewogene, unvoreingenommene und durchdachte Beiträge, möglichst ohne die Absicht, in das eine oder anderen Horn zu blasen. Es stünde m.E. jedem besser, wenn er ein wenig von sich selber, seinem Leben und seinem Erfahrungen erzählte, anstatt einen Gegener zu verorten, den es zu „bekämpfen“ gilt. An profanen Gesprächen, wie Moschebau hin oder Kirche her, der eine Politiker hat dies gesagt und der Andere das, beteilige ich mich nicht. Ich habe kein Problem damit, wenn jemand Gläubiger Muslim ist und respektiere das, sowie ich den gleichen Respekt erwarte, wenn ich sage, dass ich nicht Gläubig bin. So einfach kann es sein. In Frankfurter Cafes höre ich Menschen, die alle möglichen Sprachen sprechen. Russisch, Französisch, Türkisch, Englisch, Spanisch, Deutsch, Kurdisch, Persisch, Arabisch, etc, etc. Genau das macht für mich Frankfurt aus, seine Internationalität und weltoffenheit. Deshalb mag ich es nicht, wenn man sich nur auf die Türken, oder die Muslime einschießt. Das kann man an anderen sogenannten „politisch inkorrekten“ Orten im Netz, wo andere Meinungen übrigens nicht geduldet sind, viel besser machen. Dialog mit Menschen unterschiedlicher Herkunft erfordert Empathie, also Einfühlungsvermögen – natürlich auf beiden Seiten! Ich schätze den Betreiber dieser Plattform, auch wenn ich nicht in allen Punkten mit ihm einer Meinung bin und fände es schade, wenn Diskussionen in eine absolut einseitige „Ich bin gegen Moslems“ oder „Ich bin gegen Türken, wo kann ich unterschreiben“ Diskussion ausarten. Sorry, Pragmatikerin, aber etwas ausgewogenere und durchdachtere Beiträge stünden Ihrem Namen, den sie tragen, besser.

    Auch ich mag viele Dinge auf dieser Welt nicht. Aber bitte: Mit etwas mehr Gelassenheit und Liebe zu dem Mitmenschen (auch wenn es Rückschläge gibt), egal wie quer einem eine Sache oder eine Person auch erscheinen mag, lässt es sich besser leben.

    Freundlichst
    Abdul

  13. @Abdul

    Sorry, ich bin nun mal kein Global Player. Wie mein Nick schon sagt, halte ich es mehr mit der Realität!!!! Meine Erfahrungen sind – speziell in Frankfurt – nicht so positiv wie Ihre. Meine langjährige Tätigkeit als Schöffin beim LG Frankfurt hat mir die weniger schöne Seite von Multikulti gezeigt. Auch könnte ich Ihnen nicht nur „ein Lied“ über unschöne Vorkommnisse unter dem juristischen Aspekt „singen“. Als Anwaltsfachangestellte war ich mitten drin im Leben, mehr als es mir oft manchmal lieb war…

    Ich schätze ebenfalls ausgewogene, unvoreingenommene und durchdachte Beiträge, jedoch kann man oft gemachte Erfahrungen nicht ausklammern, und die sind wohl zwischen Ihnen und mir verschieden, gelle?

    Dass Ihnen die Frankfurter Lokalitäten gefallen, imponiert mir, es passt zu Ihrer Einstellung Deutschland gegegenüber.

    Ich hoffe für Sie, dass Sie als Deutscher niemals Ihre Meinung werden revidieren müssen.

    Mit pragmatischem Gruss

    P.S.: sollten Sie einen Interpunktionsfehler in meinem Text finden, dürfen Sie ihn gerne behalten 😉

  14. @ Abdul

    Nachstehenden Artikel habe ich soeben in Welt Online gelesen. Er bestätigt meine Meinung, dass es besondere Probleme mit Migranten türkischer Herkunft gibt – im Gegensatz zu Migranten anderer Nationalitäten.

    Dass Sie keine Diskussionen über Islam, Türken oder sonstigen Religionen, Nationalitäten und Politik führen wollen und ausgewogene, unvoreingenommene und durchdachte Beiträge, möglichst ohne die Absicht, in das eine oder anderen Horn zu blasen, schätzen, verstehe ich rein menschlich, aber die Welt ist halt kein „Wunschliste“ . Ob es Ihnen nun gefällt oder nicht und ohne dass ich „verbissen“ wirken will, mit Muslimen – hauptsächlich türkischer und arabischer Herkunft, gibt es es in Deutschland halt immer wieder Riesenprobleme. Die meisten haben zwar die Deutsche Staatsbürgerschaft, aber ihr Umfeld ist türkisch oder arabisch geprägt, hat also mit „Deutsch-sein“ nichts zutun.

    Noch etwas, sagen Sie mir bitte einen „runden Tisch“ der ausser für diesen Migrantenkreis geschaffen wurde? Sie werden mir keinen nennen können, denn andere Einwanderer integrieren sich nicht nur, sie assimilieren sich auch, denn sie haben die Vorteile hier zu leben schätzen gelernt.

    Gruss Pragmatikerin

    Welt Online vom 19.7.2010 – Nordrhein-Westfalen – Türkische Polizei soll in Problemvierteln aushelfen

    „Die Deutsche Polizeigewerkschaft will türkische Polizisten in Problemvierteln in NRW einsetzen. Grund sind Konflikte mit jungen Migranten.

    Die Deutsche Polizeigewerkschaft will türkische Polizisten in sogenannte Problemviertel in Nordrhein-Westfalen schicken. Sie sollten sich um türkischstämmige Jugendliche kümmern.

    „So geht es nicht weiter“, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Erich Rettinghaus, in Duisburg. „Vielleicht ist das ein probates Mittel. Man sollte es ausprobieren.“ Die Türken sollten in ihrer eigenen Uniformen gemeinsam mit NRW-Kollegen auf Streife gehen.

    „Der neue NRW-Innenminister kommt aus Duisburg. Er kennt die Probleme“, sagte Rettinghaus. Es sei kein Geheimnis, dass es in bestimmten Stadtteilen Konflikte mit Menschen „mit Migrationshintergrund“ gebe. Er wolle seinen Vorschlag keinesfalls als Kapitulation oder Offenbarungseid der deutschen Polizei verstanden wissen.

    Der Versuch sollte wissenschaftlich begleitet werden, schlug der Gewerkschaftschef vor. Als Vorbild nannte er deutsch-niederländische Polizeistreifen. Verständigung und Integration dürften nicht an der EU-Grenze scheitern. “

    dpa/cn

  15. Fantasie oder bald Wirklichkeit, entscheiden Sie bitte selbst
    meint Pragmatikerin


    „Zuwanderung – Das alte Europa wird zum Morgenland
    Europa verändert sich – und nicht zum Guten. Historiker Walter Laqueur analysiert, wie real der Begriff „Eurabien“ inzwischen geworden ist.

    Das Wort „Eurabien“ ist in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil der politischen Diskussion geworden. Viele tatsächliche oder vermeintliche Experten haben viele Bücher und Artikel – pro und contra – über die Tatsache verfasst, dass Europa in wenigen Jahrzehnten ein Teil der arabischen und nordafrikanischen Welt sein wird.

    Ein Teil der Autoren hält diese Entwicklung für unvermeidlich, ein anderer sieht in ihr eine groteske Verzerrung der Wirklichkeit. Manche betrachten sie sogar als eine Erfindung in Panik geratener Neo-Konservativer. Wer so argumentiert, vergisst freilich, dass die These von einem muslimischen Europa älter ist und nicht aus Amerika stammt, sondern aus der arabischen Welt selbst.

    Einer der ersten Vertreter dieser Idee war Houari Boumedien. In einer Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen prophezeite der algerische Staatspräsident 1976, Europa werde in Zukunft den Muslimen gehören. Libyens Präsident Muammar al-Ghadafi tat es ihm in den Folgejahren gleich. Und auch heute erfreut sich die Vision eines muslimischen Europas im arabischen Raum großer Beliebtheit.
    Kürzlich schrieb der einflussreiche Journalist Aijaz Saka Syed in der saudischen Zeitschrift „Arab News“, er sei bei der Ankunft in Brüssel, der Hauptstadt des neuen Europas, angenehm überrascht gewesen, wie sehr die belgische Metropole heute den großen Städten der arabischen Welt ähnelt.

    Dasselbe würde auch auf Berlin, Paris und London, Kopenhagen und Amsterdam zutreffen. Es sei daher sinnlos, wenn europäische Journalisten in Panik gerieten. Vielmehr sollten sie sich daran gewöhnen, mit der Masse der Muslime zurechtzukommen. Schließlich sei Europa doch auf eine Verjüngungskur durch begabte, junge Menschen angewiesen.

    Geburtsrate der Muslime sinkt

    Die Gegner der Eurabien-These werden das nicht gern lesen. Sie verweisen auf Argumente, die einer genaueren Betrachtung wert sind. So sei die Zahl der Muslime in Europa klein, ihre Geburtsrate sinke. Zwar stimme es, dass unter den Muslimen die Konservativen und Fundamentalisten an Einfluss gewonnen hätten, aber es sei unsinnig, diese als Terroristen abzustempeln.

    Überhaupt habe der Bewusstseinswandel nichts mit religiös-nationalistischen Beweggründen zu tun, sondern läge an der sozialen Benachteiligung, unter der die Muslime in Europa zu leiden hätten. Einige Experten haben dieses Argument auf die einfache Formel gebracht: „It is Marx not Mohammed, stupid.“ Ob sie Recht haben?

    Neue Unterschicht unter den Muslimen

    Sicher spielt das Ausmaß der sozialen Probleme bei der Bildung politischer Ansichten eine Rolle, und sicher lässt sich auch die Gefahr nicht leugnen, dass sich unter den Muslimen eine neue Unterschicht bildet, die zu einer „classe dangereuse“ werden könnte. Doch warum es dazu kommt, darauf wissen weder Marx noch seine Jünger eine Antwort zu geben.

    Werden einige Vertreter dieser neuen „class dangereuse“ militant, weil sie von den Einheimischen (wie muslimische Radikale behaupten) systematisch unterdrückt werden? Oder liegt es daran, dass ein hoher Anteil der Muslime über keinen Schulabschluss verfügt? Überhaupt: Warum gelingt Chinesen und Indern der soziale Aufstieg schneller als den muslimischen Einwanderern? Verfügen jene über andere, bedeutendere Talente als Türken und Araber?

    Diese und andere Fragen werden von Europäern nicht gern gestellt und schon gar nicht beantwortet. Manche glauben sogar, dass die Integration der Muslime in Europa erfolgreich sei. So hat eine dänische Professorin an der amerikanischen Brandeis-Universität 300 muslimische Unternehmer, Ärzte, Rechtsanwälte und Universitätsprofessoren über ihre Leben in Europa befragt.

    Reaktionen auf das Schweizer Minarettverbot

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    Der Schweizer Theologe Hans Küng:
    „Die neuesten katastrophalen Entwicklungen für das Image meiner Heimat – etwa der Bankenskandal – kulminieren nun in dieser unbegreiflichen Annahme der Initiative, die nicht nur gegen die Religionsfreiheit verstößt, sondern auch gegen die in der Schweiz hoch angesehene Toleranz.“

    Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU):
    „Problematisch ist diese Entscheidung sicher, weil sie sich in grundsätzliche Dinge der Religionsausübung einmischt“.

    Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch:
    „Gerade weil wir Christen die Einschränkungen der Religionsfreiheit in muslimisch geprägten Ländern ablehnen und verurteilen, setzen wir uns nicht nur für die Rechte der dortigen Christen ein, sondern auch für die Rechte der Muslime bei uns“.

    Die Schweizer Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf:
    „Das ist nicht eine Abstimmung gegen den Islam, sondern ein Referendum gegen fundamentalistische Ausprägungen.“

    Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU):
    „Stimmungen in der Bevölkerung sollten nicht negiert oder verdrängt werden. Es gibt ein „emotionales Unbehagen vieler Mitbürger“.

    Der Europaabgeordnete der Lega Nord, Mario Borghezio:
    „Über dem heute schon fast islamisierten Europa flattert jetzt die Fahne der mutigen Schweiz, die christlich bleiben will.“ Die türkische Zeitung „Star“:
    „Das Ergebnis der Abstimmung ist ein Sieg der Islamophobie.“

    Bundestagsvizepräsidentin und Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland Katrin Göring-Eckardt (Grüne):
    „Wir sind wahnsinnig stolz, gerade in der Adventszeit, auf unsere Kirchtürme. Und wir sagen, aber Minarette dürfen nicht gebaut werden. Ich glaube, hier wird auch Angst vor etwas geschürt, was mit dem Islam wirklich überhaupt nichts zu tun hat.“

    Die rechtsextreme französische Partei Front National (FN):
    „Auch die Franzosen müssen die Möglichkeit bekommen, in lokalen Abstimmungen ihre Meinung zu Moscheebauten zu äußern. Es ist skandalös, dass die Politik dem Willen des Volkes den Rücken kehrt.“

    Der Interkulturelle Rat in Deutschland:
    „Diese Herabwürdigung von Muslimen und die Bereitschaft zu ihrer Diskriminierung wird als anti-muslimischer Rassismus definiert.“ Die türkische Zeitung „Taraf“:
    „Die Schweizer haben Angst vor Minaretten.“

    Der schwedische Außenminister Carl Bildt, dessen Land die EU-Ratspräsidentschaft innehat:
    „Das ist ein Ausdruck von ziemlich vielen Vorurteilen und vielleicht sogar Angst.“

    Die türkische Zeitung „Bugün“:
    „Die Schweiz hat den Toleranz-Test nicht bestanden.“

    Sie kommt zu dem Schluss, dass diese 300 Muslime sich mit ihrer neuen Heimat durchaus identifizieren. Doch die Mehrzahl der Muslime in Europa sind weder Ärzte und Rechtsanwälte, noch Unternehmer und Professoren. Zwar stimmt es, dass diese Wenigen die Probleme der Vielen oft schonungsloser aufdecken als alteingesessene Politiker – Achmed Abutaleb, der Bürgermeister von Rotterdam, etwa hat nicht gezögert, seinen arabischen Landsleuten zu erklären, dass sie ihre Koffer packen sollen, wenn es ihnen in den Niederlanden nicht gefällt –, aber die Frage bleibt dennoch offen, inwieweit diese neue Elite die tonangebende Schicht in ihren Gemeinden ist.

    Zumal viele, die es geschafft und eine höhere Ausbildung genossen haben, oft auch wieder in ihre Heimatländer zurückgehen, weil die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt dort besser sind. Doch selbst wenn sie bleiben, ist es mehr als fraglich, ob die jungen Muslime auf diese Elite hören. Bisher jedenfalls haben sie es nicht getan.

    Argumente gegen die Eurabien-These

    Zurück zu den Argumenten derjenigen, welche nichts von der Eurabien-These halten. Es stimmt: Die Zahl der Muslime in Europa ist verhältnismäßig klein. Sie liegt bei fünf bis zehn Prozent. Doch die Geburtenrate der Muslime in Europa ist bedeutend höher als die der einheimischen Bevölkerung.

    Da in keinem europäischen Land die Reproduktionsrate von 2,1 Prozent erreicht wird, wächst das Gewicht der Muslime schneller. Das bedeutet, dass sich der Anteil der Muslime in naher Zukunft verdoppeln oder verdreifachen wird. Mancherorts ist die muslimische Bevölkerung schon jetzt nahezu so zahlreich wie die angestammte. Man denke – um nur einige Beispiele zu nennen – an Duisburg oder Köln, an Brüssel, die nordfranzösische Stadt Roubaix oder den östlichen Teil der englischen Midlands, von Malmö ganz zu schweigen.

    In den dortigen Kindergärten und Schulen beträgt die Zahl der muslimischen Kinder weit mehr als zehn Prozent. Dazu kommt, dass in den meisten europäischen Ländern mehr als zehn Prozent der Muslime Sozialleistungen erhalten. In Zeiten der Wirtschaftskrise und der knappen Kassen, in der die Notwendigkeit zu sparen, immer größer wird, liegt darin ein erheblicher Gefahrenherd, der nicht unterschätzt werden sollte.

    Problem Integration

    Doch das eigentliche Problem steckt nicht in der Zahl der Einwanderer, sondern in ihrer Integration. In Europa hat es seit eh und je Wanderungen gegeben, wenn auch selten in diesem Umfang. Um Wohlstand und den Sozialstaat zu erhalten, benötigt Europa Einwanderer, aber wo finden sich die begabten und arbeitswilligen jungen Menschen, von denen oben die Rede war?

    Etwa die Hälfte der muslimischen Einwanderer in Europa hat erklärt, dass eine Integration in die jeweiligen europäischen Gesellschaften für sie nicht in Frage komme, da sie in krassem Widerspruch zu den Geboten ihrer Religion und Tradition stehe.

    Die wirkliche Zahl dieser Integrationsverweigerer wird höher sein, denn unser Wissen über die Stimmung und Ansichten dieser Kreise beruhen auf Umfragen, die keineswegs verlässlich sind. In Großbritannien etwa heißt es, dass nur 13 Prozent der Muslime mit al-Qaida sympathisieren. Warum aber sollten die Befragten ihre tatsächlichen Ansichten Menschen gegenüber preisgeben, die nicht Muslime sind und womöglich sogar Verbindungen zur Polizei aufnehmen. Glaubt jemand unter diesen Umständen wirklich an die Aussagekraft solcher Umfragen?

    „Der Weg in die Moschee ist weit“

    Wie auch immer, einwenden lässt sich – und das zu Recht –, dass sich ein Ghetto in den modernen europäischen Gesellschaften auf die Dauer nicht halten lässt – ganz im Sinne eines Mullahs aus Berlin, der einmal sinngemäß sagte: „Wir verlieren einen Teil der Jugend. Der Weg in die Moschee ist weit, und der Verführungen gibt es viele.“ Doch dieser Prozess der Assimilation wird Jahrzehnte, vielleicht sogar ein oder zwei Generationen dauern.

    Bleibt die Frage, was zu tun ist, um diesen Prozess der Assimilation zu beschleunigen. Die „positive Diskriminierung” (also die Bevorzugung derer, die sich benachteiligt fühlen) war in manchen Fällen durchaus erfolgreich, in anderen wiederum gar nicht.

    Doch was man auch immer zu unternehmen gedenkt, am Anfang stehen schonungslose, ganz offene Fragen zum Stand der Integration und Assimilation, ohne auf politische Korrektheiten Rücksicht zu nehmen. Wird dies gelingen?

    Wa darf man sagen? Was nicht?

    Man darf skeptisch sein. Selbst in den Vereinigten Staaten hat es heftige Debatten über die Frage gegeben, was man über den Islamismus sagen darf und was nicht. Paul Berman hat mit seinem jüngsten Buch („The Flight of the Intellectuals“, New York 2010) aufgeregte Diskussionen ausgelöst, die in der Aussage gipfelten, es sei heute kaum mehr möglich, offen über die Gefahren zu diskutieren, die im Islamismus eben auch stecken.

    Selbst die Washingtoner Regierung hat die Weisung ausgegeben, dass Wort „Terrorismus“ künftig nicht mehr zu gebrauchen und dafür „ein von Menschenhand verursachtes Unglück” zu setzen. Dass sich die Gemüter darüber erregten, ist seltsam.

    Wenn eine Weltreligion mehr als eine Milliarde Anhänger hat, ist es nur natürlich, dass Regierungen (und nicht nur sie) des lieben Friedens willen alles tun, um keinen Anstoß zu erregen. So ist die Politik der Beschwichtigung konsequent. Die Frage ist dann nur – wie weit wird sie gehen ohne bittere politische Reaktionen hervorzurufen? “

    Der Autor Walter Laqueur ist Historiker, lebt in Washington und gilt als Vater der Terrorismusforschung

  16. Spanien – ein Land in Europa – hat von 756 bis 1614 eine lange Belagerungszeit der Araber erlebt. Man nannte diese Epoche „Das Zeitalter der Toleranz und des friedlichen Zusammenlebens der Religionen und Kulturen“ Ist also ein „Eurabien“ wünschenswert
    fragt Pragmatikerin

    „Spanien unter dem Halbmond
    Die Dokumentation erzählt die wechselvolle Geschichte der arabischen Kultur in Spanien von der Eroberung Andalusiens, al Andalus, durch den aus Damaskus geflohenen Abd ar Rahman I. im Jahre 756 bis zur Vertreibung der letzten Muslime und Juden durch Philipp III. im Jahre 1614. Dazwischen liegen zahllose Kriege und Kämpfe mit den Westgoten, die bis dahin Spanien beherrschten, den Berbern, die den arabischen Eindringlingen ihre Eroberung streitig machen wollten, und den christlichen Königen im Norden des Landes, die vom Papst aufgehetzt, nicht hinnehmen konnten, dass Mauren Spanien beherrschten.

    Der Hofarzt von Córdoba

    Im Jahr 756 wurde Andalusien von dem aus Damaskus geflohenen Abd ar Rahman I. erobert. Bis zur Vertreibung der letzten Muslime und Juden durch Philipp III. im Jahre 1614 herrschten die Araber auf der Iberischen Halbinsel. In dieser Zeit entwickelte sich eine Periode blühender Kultur und beispielhafter Toleranz zwischen Muslimen, Juden und Christen. Vor allem unter dem Kalifen Abd ar Rahman III. erlebte Spanien einen großen Aufschwung von Handel und Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft.

    In der Zeit des Kalifats von Cordoba stieg die Stadt mit fast 500.000 Einwohnern neben Konstantinopel und Bagdad zur bedeutendsten Kulturmetropole im Mittelmeerraum und dem Nahen Osten auf. Zur größten Bedrohung des Kalifats wurden die Berber. Im Jahre 1013 eroberten sie Cordoba und zerstörten das Symbol des Kalifats, den Palast von Abd al Rahman. Das muslimische Spanien zerfiel in eine Reihe unabhängiger Stadtstaaten, so genannten Taifas, unter denen vor allem Sevilla herausragte. Auch hier blühten Kultur und Wissenschaft im toleranten Miteinander der Religionen.

    Die nach dem Zerfall des Kalifats von Cordoba weniger starken nördlichen „Taifas“ begannen sich Schutz von christlichen Söldnern und den Truppen der katholischen Könige zu erkaufen, die davon wirtschaftlich profitierten. Dieser Handel erzürnte den Papst Alexander im fernen Rom so sehr, dass er die Vertreibung der Muslime von der spanischen Halbinsel forderte. Damit markiert das Jahr 1063 auch den Beginn des religiösen Fundamentalismus in Spanien.

    Es waren aber nicht christliche Fanatiker, die der Toleranz ein Ende setzten. Zunächst richtete sich der Zorn unterprivilegierter und fanatischer Muslime gegen die Juden. Viele Muslime neideten den Sepharden ihren wirtschaftlichen und politischen Einfluss. Es kam zu einem furchtbaren Pogrom gegen die jüdische Gemeinschaft, dem mehr als 4.000 Menschen zum Opfer fielen.
    Unterdessen begann im Norden Spaniens die von Papst Alexander III. geforderte Säuberung des Landes von den Muslimen. 1085 eroberten christliche Truppen Toledo. Aber erst 150 Jahre später konnte König Ferdinand Cordoba erobern. Damit war der größte Teil Spaniens unter der Herrschaft des Kreuzes. Nur das kleine Emirat von Granada konnte überleben. Vor allem der Palast von Emir Mohammed V. wurde zum Symbol der im nunmehr christlich beherrschten Spanien immer noch blühenden muslimischen Kunst und Literatur.

    Erst 1492 fiel auch diese kulturelle Oase der Toleranz nach achtmonatiger Belagerung durch die Armeen des katholischen Königspaares Isabella von Kastilien und Ferdinand, die damit ihren Lebenstraum eines vereinigten katholischen Spaniens erfüllt sahen. Im selben Jahr befahlen Isabella und Ferdinand die vollständige Vertreibung der muslimischen und jüdischen Bevölkerung aus dem Süden des Landes. Alle nicht taufwilligen Juden wurden von der Iberischen Halbinsel vertrieben. Zwei Jahre später folgte die Ausweisung der besiegten Mauren. Das bedeutete einen großen wirtschaftlichen und kulturellen Aderlass.
    Trotz Verfolgung und Vertreibung lebte eine Minderheit von Juden und Muslimen, die ihren Lebensunterhalt als Tagelöhner und Handwerker verdienten, weiter im katholischen Spanien. Viele konvertierten, um der Verfolgung zu entgehen. Es sollte ihnen und ihren Nachfahren wenig nützen. Im Jahre 1614 schließlich vertrieb König Philipp III. die letzten verbliebenen 300.000 Muslime und Juden aus Spanien. Das Zeitalter der Toleranz und des friedlichen Zusammenlebens der Religionen und Kulturen war zu Ende. „

  17. Ob das Auslandsministerium den Auslandstürken wohl auch die Sozialhilfe zahlt? Oder überlässt man das doch lieber den Titularnationen?

 

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