Nutzen und Schaden der sarrazinschen Debattenkultur

12. Oktober 2009 | Von E. S. | Kategorie: Leitartikel, Politik | 7 Kommentare | Artikel versenden

Thilo Sarrazin habe eine Debatte über Tabuthemen ausgelöst, eine Diskussion über die feige deutsche Debattenkultur, heißt es gut eine Woche nach Erscheinen seines Interviews. Er habe mutig ausgesprochen, was viele sowieso dachten und wussten. Er habe - zugegeben - zwar zugespitzt und pauschalisiert, so seine Befürworter, doch müsse man seine Worte differenziert und im Gesamtkontext betrachten.

Thilo Sarrazin

Thilo Sarrazin

Ja, er hat eine Debatte ausgelöst und ja, er war mutig. Ist die Debatte aber, die er ausgelöst hat, wünschens- und erstrebenswert? Und vor allem: wem nutzt es und wem schadet sie?

Bereits jetzt ist abzusehen, dass dank Sarrazin Zuspitzungen und Pauschalisierungen um ein Stück weit hoffähiger geworden ist. Dank Sarrazin muss man sich nicht mehr dreimal umschauen, wenn man über integrationsunwillige und –unfähige „neue Kopftuchmädchen“ spricht, die in die Welt gesetzt werden, um Deutschland zu erobern, die vom Staat leben und diese zu allem Überdruss auch noch ablehnen. Wer lediglich sagt: „Sarrazin hat doch recht“, braucht sich nicht einmal mehr zu vergewissern, dass er unbeobachtet ist. In der Bahn, beim Einkaufen und vor allem am Arbeitsplatz und in der Schule.

Und da wären wir auch schon beim Nutzen und Schaden der sarrazinschen Debattenkultur angelangt. Nicht alle einheimischen Nachbarn, Lehrer und Arbeitgeber haben schon immer wie Sarrazin gedacht. Und ganz sicher sind nicht bis zu 90 % der Türken und Araber so, wie Sarrazin versucht, es uns nahezulegen.

Wir wissen, dass türkischstämmige Akademiker immer häufiger mit dem Gedanken spielen, in die Türkei auszuwandern, weil sie trotz guter Ausbildung und Hochschulabschluss auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden und weil sie sich bei gleichen Leistungen zehn Mal häufiger um eine Stelle bewerben müssen als die deutsche Konkurrenz, um zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Wir wissen auch, dass Kinder aus sozial schwachen Familien bei gleichen schulischen Leistungen seltener eine Empfehlung für ein Gymnasium bekommen als Kinder aus gut betuchten Familien. Leider trifft dieser Umstand überdurchschnittlich Türken und Araber bzw. muslimische Kinder. Und wir wissen auch, dass Wohnungsinteressenten mit ausländisch klingenden Namen aus den großstädtischen Brennpunkten nur schwer herauskommen, selbst wenn sie sich damit eine bessere Schule in der näheren Umgebung für ihre Kinder erhoffen. Wir wissen, dass sozial schwache es ungleich schwerer haben und ein guter Wille allein nicht ausreicht.

Sicherlich. Nicht alle Türken und Araber haben einen Hochschulabschluss oder gute Schulnoten und wollen ihrer Kinder wegen raus aus den sozialen Brennpunkten. Doch es gibt sie.

Schauen wir uns den einheimischen Arbeitgeber, die Lehrerin oder den Wohnungseigentümer an, ergibt sich ein ähnliches Bild. Wir wissen, dass die ausländische Herkunft nicht für alle Arbeitgeber ein KO-Kriterium ist. Ein ähnliches Bild auch unter Lehrern: Wir wissen, dass nicht alle eine Empfehlung für das Gymnasium vom sozialen Status der Eltern abhängig machen. Und wir wissen auch, dass es Vermieter gibt, die keine Vorbehalte gegenüber Türken und Araber haben. Nichts Neues also; das alles wissen wir bereits.

Öffentliche Debatten sind meinungsbildend und prägend zugleich für die Gesellschaft. Sie verfestigen bereits vorhandene Vorstellungen, lassen sie entstehen oder ändern sie. Wenn Sarrazin 70 % der Türken und 90 % der Araber über einen Kamm schert, ihnen Integrationsunwilligkeit und -unfähigkeit unterstellt, die nur darauf aus sind, Deutschland durch eine höhere Geburtenrate zu erobern mit „neuen Kopftuchmädchen“, so ist auch dies geeignet, das Meinungsbild der Gesellschaft zu prägen. Immerhin kommt das von einem Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank!

Im Ergebnis werden sich noch mehr Arbeitgeber, Lehrer und Vermieter am Namen der Bewerber oder am sozialen Status orientieren, um auch ja niemanden zu unterstützen, einzustellen oder vorzuziehen, der unwillig und unfähig ist und Eroberungspläne schmiedet. Wenn bis zu 90 % der Türken und Araber bedrohlich sind, wäre die Trefferquote und damit auch das Risiko viel zu hoch, um ein Wagnis einzugehen.

So werden Türken und Araber weitere Steine auf den ohnehin holprigen Weg gelegt. Die sarrazinschen Flöhe im Ohr von Arbeitgebern, Lehrern und Vermietern, die eine Entscheidung zwischen den Bewerbern Yusuf und Josef treffen müssen, werden fleißig ins Ohr flüstern, wenn die Auswahl getroffen werden muss. Josef statt Yusuf wird bevorzugt werden.

“Manche Bevölkerungsteile” werden eher auf staatliche Mittel angewiesen sein, werden dort wohnen müssen, was für sie noch bezahlbar ist und ihre Kinder werden eine Schule in der Nähe besuchen, aus der nur wenige Gymnasiasten hervorgehen. Und der nächste Sarrazin wird Yusuf und seinen Kindern Integrationsunwilligkeit und -unfähigkeit vorwerfen. Die Flöhe im Ohr werden sich mehren. Die sarrazinsche Debattenkultur wird die Gesellschaft in einen immer tieferen Teufelskreis treiben.

Daher ist die sarrazinsche Debattenkultur kontraproduktiv, weder wünschens- noch erstrebenswert. Es hat keinen Nutzen und schadet der Gesamtgesellschaft. Probleme beim Namen nennen? Ja, definitiv. Aber bitte konstruktiv. Den Teufelskreis haben wir bereits. Es gibt integrationsunwillige Türken und Araber. Gibt es die aber wirklich nur in „manchen Bevölkerungsteilen“? Wie hoch ist wohl der Anteil derer, denen Sarrazin auch die Integrationsfähigkeit abspricht? Sind wirklich bis zu 90 % der Türken und Araber wirtschaftlich betrachtet nutzlos? Und was bitte hat das Kopftuch mit ökonomischen Faktoren zu tun? Müsste es einem Banker nicht egal sein, ob eine Frau Kopftuch trägt, wenn sie ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft bestreiten kann und für eine gute Ausbildung ihrer Kinder sorgt?

In diesem Zusammenhang spielt ein Rücktritt bzw. „zurückgetreten werden“ Sarrazins eine entscheidende Rolle. Es wäre ein Warnsignal an alle ähnlich denkenden Geister. Davon würde abhängen, ob sich die sarrazinsche Art zu diskutieren durchsetzt.

Nehmen die Verantwortlichen Sarrazins Schelte hin – die keine Entgleisungen sind, sondern trotz Protesten des Vorsitzenden der Deutschen Bundesbank veröffentlicht wurden, werden sie sich Derartiges auch künftig anhören müssen und legen heute den Grundstein dafür.

Sollte Sarrazin mit einem blauen Auge davon kommen, kann sich in Zukunft kein Verantwortlicher mehr erbost, empört oder überrascht zeigen, wenn ähnliche Stimmen laut werden. Es wäre nicht glaubhaft. Denn bisher sind wir Derartiges nur aus dem rechten und islamophoben Lager gewohnt, die zu Recht nicht nur keine Akzeptanz und kein Gehör finden, sondern möglichst auch von öffentlichen Ämtern ferngehalten werden. Wieso sonst warnt man insbesondere vor den Wahlen vor der NPD? Nicht, weil man um die eigenen Sitze in den Parlamenten bangt, sondern weil deren Hetze grundsätzlich inakzeptabel ist, oder? Es liegt an den Verantwortlichen, dieses „oder?“ aus der Welt zu schaffen.

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7 Kommentare
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  1. Ich hoffe zunächst mal das diese Kommentarfunktion auch auf die Länge des Beitrages zugeschnitten sind. Ich denke es ist auch etwas sehr Gutes, wenn diese Diskussion wieder auffacht und zwar richtig. Das es nun gerade ein Mitglied des Bundesbankvorstandes ist und auf diese Weise ist absolut inakzeptabel. Wer solche Hasstiraden loslässt und gleichzeitig Repräsentant für die Bundesbank ist, der darf sich nicht wundern wenn die Stimmung im Land änders, denn es ist de facto Stimmungsmache.

    Anders wäre es meiner Ansicht aber, wenn der Herr zu einer Politsendung gegangen wäre, vorzugsweise hart aber Fair und seine Meinung dort vertreten hätte. Anlässe gab es mehr als genug.

    Um etwas tiefer zu gehen, muss man wissen das ich in diesem Land geboren und aufgewachsen bin. Meine Eltern haben sehr früh darauf geachtet das ich in deutsche Kindergärten mit deutschen Kindern komme und wussten auch wo sich nicht wohnen wollten. Das hat meine Entwicklung maßgeblich geprägt. Unter meinen besten Freunden werde ich schon manchmal “der bessere Deutsche” genannt. Ich achte so sehr auf Gründlichkeit, Ordnung und Zuverlässigkeit, und trotzdem erlebe ich jeden gottverdammten Tag, das ich nicht ein bisschen dazugehöre. Davon schließe ich explizit die aus, die mich näher kennen.

    Ich werde nicht begrüßt im Supermarkt obwohl alle 5 arisch anmutenden Kunden vor mir ein “guten Tag” und einen “schönen Tag noch” bekommen haben. Klingt lächerlich, ist aber brutal wenn man anffängt auf solche Kleinigkeiten zu achten. Und dahin hat man es gebracht. Irgendjemand hat in dieser Debatte gesagt: “Wir vergessen das dies ein Teil der Ressourcen abbildet, die Deutschland hat”. Es werden künstlich Ghettos geschaffen in denen selbst die Polizei nicht gern ist.

    Aber wer hat diese Menschen verteilt?
    Es gibt Sozialbausiedlungen, hochkonzentriert ballt sich dort eine Kultur an die Nächste…
    Es gibt Städte die in jedem Stadtteil noch ein/mehrere Viertel haben…
    Andererseits hat fast jeder Deutscher negative Erfahrungen mit Türken gemacht. Direkt oder Indirekt. Wir haben nicht den besten Ruf und das Ausländerproblem ist auch eigentlich nur das Türkenproblem. Dazu später mehr.

    Aber warum schlägt sich ein Ahmed denn generell jetzt schneller als Klaus?

    Schlägt Klaus drauf, passiert folgendes:

    Klaus bekommt eine Anzeige und viel Ärger von Mama und Papa. Dazu wenn er Pech hat eine Gerichtsverhandlung und sofort schwahnt das Wort “Führungszeugnis” mit. Mit einem Eintrag gibts kein Job, das is kla.

    [Wobei Klaus nicht deutscher sein muss, man sollte eher von einer höheren Schicht sprechen.... In Indien nennt man das netterweise "Kaste" /ironie off]

    Aber woran denkt Ahmed wenn er nicht die Aussicht hat nach der Hauptschule eine gute Ausbildung zu bekommen? Ahmed wird vielleicht in der 9. und 10. Klasse 2 Klassenarbeiten über Bewerbungen schreiben und dann wohl nie wieder. So traurig das dann auch ist, dann bekommt er noch ne Kundennummer von der Arbeitsagentur und dann war es das dann. Sich nach Jahren zu wundern, weil es insgesamt jährlich knapp (und leider fast konstant) 80 000 Menschen wie Ahmed keinen Hauptschulabschluss bekommen. Ich sage mal voraus das das in 20 Jahren etwa 1 600 000 Menschen sind die keine Ausbildung haben. Aber was soll man sagen, das kostet Milliarden. Ich bin sicher ein guter Teil von Hartz4 geht für die Verwaltung drauf, wer jemandem schonma beim Ausfüllen geholfen hat, weiß bescheid…. und durch mehr ungebildete Menschen wird das nicht natürlich nicht einfacher.

    “Und die Arbeitsagentur lässt uns doch so manchma kleine Einblicke darauf, wie schwer es doch ist überhaupt in die Statistik zu kommen… “

    Ich denke das viele Probleme nur so oberflächlich abgegrast werden das daraus zwingend neue Probleme entstehen müssen. Wenn ich mir vorstelle Politiker zu sein mit eigenem Fahrer, Lufthansavielfliegerkarte und knapp 10 000 € im Monat bekomme und dazu noch deutsch bin, dann kann ich das auch verstehen das vieles auf der Strecke bleibt. Weil viele einfach nich wissen, über was sie da sprechen. Ich will nicht abstreiten das Politiker den so ziemlich anstregendsten Job überhaupt haben, aber trotzdem :)

    auf ein freundliches Miteinander!!!!!

    Nur mal so noch nebenbei:
    Viele Teile der oben beschriebenen Fakten kann ich unterschreiben. Es ist sehr schade das ein so hochentwickeltes Land nicht ein Mindestmaß am Willen zur Besserung der Situation einbringt, wie es die Situation fordert. Und wenn ich ehrlich bin, denke ich, das es so kommen wird, das wir eines Tages die Parrallelgesellschaft schaffen werden über die wir jetzt so diskutieren. Noch ist es nicht zu spät, aber eine echte Parrallel gesellschaft würde sich abzeichnen wenn sich alle Türken zum Beispiel in einem Bundesland einfinden.

  2. Ich stimme Ekrem Senol vorbehaltlos zu. Die aus dem Interview mit Hr. Sarrazin herausgezogenen Punkte, die nun eine “schon seit langem erforderliche Diskussion” voranbringen soll, ist eine Diskussion, die auf eine weitere Spaltung der Gesellschaft hinausläuft, auf eine Bloßstellung vermeindlicher Sündenböcke. Aber, und das ganz besonders, von eigenen, seit Jahrzehnten immer wieder gemachten Fehlern und Ressentiments ablenkt.

    Daneben hat Hr. Sarrazin ein sehr fragwürdiges Weltbild bezüglich des Wertes von Menschen. Anscheinend sind nur solche Menschen v on Wert für eine Gesellschaft, die richtige “Werte” schaffen. Aber was ist das, richtige Werte? Ein Gemüsehändler gehört anscheinend nicht dazu. Nur, was meint er dann? Bundesbänker, die jeden Tag Zahlen hin und herschieben? Fondsmanager (die mit Pyramidenspielen “Werte” aus nichts schaffen, die letztlich von Steuerzahlern wie dem “anatolischen Gemüsehändler” bezahlt werden müssen? Autobauern? Bahnmanagern, die die Gesundheit ihrer Kunden aufs Spiel setzen?

    Ganz abgesehen davon, Berlin, Ost- und Westberlin, hat eben nach der Wende nicht nur Arbeitsplätze in der Zigarettendrehindustrie, Keksproduktion oder Rasierklingenherstellung verloren, sondern auch fast komplett seine industrielle Produktionskapazität. Also Arbeitsplätze, die wohl, um Duktus Hr. Sarrazins zu bleiben, “echte” Werte geschaffen haben. Das war zum Teil auch von der Politik gewollt, die in der Person von Hr. Sarrazin jetzt gegen Leute schießt, die aus dieser Entwicklung als die Verlierer hervorgegangen sind.

    Hr. Sarrazins Äußerungen, auch wenn sie aus dem Zusammenhang des Interviews gerissen sind, offenbaren eine abgrundtiefe Aroganz gegenüber Leuten, die nicht seinem Menschenbild entsprechen.

    Und was die “Probleme” in bestimmten Stadtteilen in Berlin betrifft. Das sind für mich ganz normale Probleme, die immer dann auftauchen, wenn die Politik permanent die Prinzipien der Chancengleichheit missachtet, Gruppen von Menschen von vornherein als nicht gleichwertige Mitglieder einer Gesellschaft darstellt (und entsprechend abschiebt - sei es nun nach Berlin-Kreuzberg, Wrangelkiez, der zu Beginn der 70er Jahre ja eigentlich dem innerstädtischen Autobahnbau und der Komplettsanierung zum Opfer fallen sollte, weshalb diese Stadtteile bewusst entmietet wurden und die Gastarbeiter, da sowieso nur für 2-3 Jahre in Deutschland verbleibend, gerne gesehene Kurzzeitmieter waren. Oder, als Beispiel in Düsseldorf in die Kiefernstraße, Theodorstraße oder den Hellweg, ähnliche Situation, nur kleiner dimensioniert. jede Stadt ihre entsprechenden Straßen, viertel, Gegenden, die immer den Ruf hochkommen lassen “hier muss endlich was gemacht werden”).

    Das müsste Hr. Sarrazin aber wissen, wenn er mal etwas anderes studiert als seine Tabellen, Graphiken und eigenen Vorurteile. Was hat er denn als Finanzsenator dazu beigetragen, dass vielleicht der Bldungsbereich eine bessere personelle Ausstattung erhält, mit der die schulischen Chancen der Schüler in Kreuzberg/Neukölln/Weding verbessert werden?

    Hr. Sarrazin trägt nicht dazu bei, ein Problem zu lösen, in dem er es anspricht, Hr. Sarrazin ist Teil des Problems. Er verschärft es noch, weil er Ressentiments weckt, die aus Unkenntnis eines Gegenübers resultieren. (Im Fall von Hr. Sarrazin führen diese zu Abwehrreaktionen, die auf eine Ausgrenzung hinauslaufen, die Wurzel für Hass. Genug der Pantoffelpsychologie.)

    MfG
    Tagedieb

  3. @ Tagedieb

    vielen Dank für den Beitrag. Dein Kommentar hat einen Beitrag von mir absolut überflüssig gemacht (obgleich ich zugeben muss, dass mein Kommentar niemals so gut gelungen wäre…). Ich möcht aber dennoch noch einmal einiges hervorheben, damit das auch ja glasklarwird:

    Die aus dem Interview mit Hr. Sarrazin herausgezogenen Punkte, die nun eine “schon seit langem erforderliche Diskussion” voranbringen soll, ist eine Diskussion, die auf eine weitere Spaltung der Gesellschaft hinausläuft, auf eine Bloßstellung vermeindlicher Sündenböcke.

    Daneben hat Hr. Sarrazin ein sehr fragwürdiges Weltbild bezüglich des Wertes von Menschen.

    Und was die “Probleme” in bestimmten Stadtteilen in Berlin betrifft. Das sind für mich ganz normale Probleme, die immer dann auftauchen, wenn die Politik permanent die Prinzipien der Chancengleichheit missachtet, Gruppen von Menschen von vornherein als nicht gleichwertige Mitglieder einer Gesellschaft darstellt

    Was hat er denn als Finanzsenator dazu beigetragen, dass vielleicht der Bldungsbereich eine bessere personelle Ausstattung erhält, mit der die schulischen Chancen der Schüler in Kreuzberg/Neukölln/Weding verbessert werden?

    Hr. Sarrazin trägt nicht dazu bei, ein Problem zu lösen, in dem er es anspricht, Hr. Sarrazin ist Teil des Problems.

    Würde ich alles sofort unterschreiben.

  4. Ach, was für eine kritische Aufregung.

    Man muss ja nun kein Vertreter der Ansichten von Herrn Sarrazin sein - aber wer andere kritisieren will, der sollte auch selbstkritisch sein ! Tja - und das ist eine Eigenschaft die dem muslimischen Denken total abgeht. Warum auch immer ;-)

    Es gibt ja eine Menge berechtigter Kritikpunkte an dem was Sarrazin gesagt hat, und es gibt auch eine Menge berechtigter Kritik an der deutschen Integrationspolitik ! Punkt.

    Es gibt aber keine Alleinschuld. Und in Anbetracht der Tatsache, das wir in Deutschland eine ganz bunte Masse von Menschen haben, muss man sich schon die Frage gefllen lassen, warum ausgerechnet Menschen aus dem islamsichen Kulturkreis sich besonders schwer tun mit der Integration ?!!!!?!!

    Wer diese Frage verweigert hat kein ehrliches Interesse an einem Dialog !

    Also bringt doch mal was selbstkritisches - bevor ich es euch reflektieren muss ;-)

    Achim

  5. zu Achim:

    ich bin der gleichen Meinung, gegen die Kritik von Herrn Sarazzin wird nicht selbstkritisch geschrieben sondern nur - hauptsächlich von der muslimischen Seite - oppuniert.
    Ich sehe zwar auch, dass einigen hier geborenen Migranten nicht die nötige Hilfe zur Selbsthilfe gegeben wird, aber was ich auch sehe ist, das viele Migranten es sich hier - auf Kosten der steuerzahlenden Bevölkerung - gut gehen lassen, besser jedenfalls, als es ihnen in ihrem Ursprungsländern gelänge.
    Da ist wohl Jammern auf hohem Niveau gegen die Mehrheitsgesellschaft einfacher.

    Es ist wohl auch einfacher, sich z.b. als kopftuchtragende Muslima auszugrenzen und Hartz 4 zu kassieren, als sich, wie in der Türkei - speziell in den Grosstädten üblich - sich in der Kleidung anzupassen (ohne Kopftuch) um so die Chancen einer Anstellung hier in Deutschland zu erhöhen, oder?

    Ich erwarte z.B. von einem Chinesen, wenn er in Deutschland lebt, dass er rein äusserlich sich in seiner Kleidung anpasst, warum meint eine Muslima mit Kopftuch und ein Muslim mit Fez und Pluderhosen dies nicht zu müssen? Religiöse Gründe akzeptiere ich nur im “trauten Heim”, nicht in der Öffentlichkeit.

    Also, ihr lieben Migranten “wehrt” euch nicht nur, weil normale Dinge von Euch verlangt werden, die vielleicht eurer Mentalität entgegen stehen oder Allah nicht gefallen, in Deutschland gelten andere kulturelle Regeln.

  6. Die Aussage von Herr Sarrazin war nach meiner persönlichen Meinung nicht korrekt, denn er nennt nur die Türken. Haben sich seiner Meinung nach die Italiener, Russen, Polen, Schweizer, Österreicher, Chinesen, Franzosen und Argentinier besser integriert? Oder will er damit sagen, von den Türken sind zu viele da? Oder ist das nur in Berlin mit den Türken so schlimm? Was er genau damit sagen will, weiß ich nicht.

    Fakt ist, die Türken stehen jetzt am Pranger und das zu Unrecht, denn die Türken leben nicht nur in Berlin, sondern sie sind im ganzen Land verteilt. Herr Sarrazin war voher nicht Politiker in der Pfalz, sondern er war Politiker in Berlin. Hat er dort dafür gesorgt, das sich die Türken besser integrieren? Kauft er sein Gemüse nur beim Türken? Nimmt er nur einen Preußen als Anwalt? Nichts genaues, weiß man nicht !

    Aber lasst uns doch das Spiel einwenig verändern. Ja, spielen wir einfach mal mit Berlin, als Baden-Württemberger darf man das. :)

    Die Berliner leben gern in Saus und Braus, produzieren aber lauter kleine Schuldenmacher, und das schon seit 45. Der Berliner zahlt nichts ein, der Berliner nimmt nur raus. Der Berliner braucht immer eine Extrawurst, sei es ein Rosinenbomer oder eine lange Mauer.

    Was will ich damit sagen? Ein Politiker, der aktiv die Berliner Finanz-Suppe mitgestalltet hat, welche dann wieder die Bayern, Baden-Württemberger und die Hessen über den Länderfinanzausgleich auslöffeln dürfen. Ein solcher Politiker möge sich mal an die eigene Nase fassen und sich fragen ob der Rest der Republik überhaupt gewillt ist, sich solch eine Diskussion anzuhören. Denn die Berliner Finanzpolitik kostet uns mehr Geld wie ein paar Kopftuchmädchen.

  7. Sarrazin hat ja eigentlich recht. Wir leben hier, machen Unmengen an Kindern und wenn wir nichts lernern, so leben wir vom Staat.
    Ich habe studiert und bin nun (Kleiner-) Unternehmer mit 14 Angestellten. Ich selber zahle vielleicht mehr als das 5 Fache an Steuern (vom UMS bis Kapitalertrags- und GewerbeST) als ein normaler Arbeiter. Habe 4 Kinder und bin in der gleichen Schei.. wie alle anderen Türken.
    Wie schon einige Vorschreiber, habe auch ich die Problematik, das meine Kinder in den Grundschulen als Ausländer MEHR erreichen müssen, als vergleichbare Deutsche Kinder. Wieso, der beste Freund meines Kleinsten hat in fast allen Schularbeiten gleiche Noten und meiner soll auf die Hauptschule, der “Deutsche” in die Realschule. Grund von Seitens der Lehrerin: zuwenig Deutschkenntnisse. Wie bei fast all meinen anderen.
    Deutschkenntnisse zuwenig: kann sein, dafür kann meiner eine 2 Sprache zusätzlich, was die deutschen erst mit 14 oder 15 Jahren (Englisch) können. da kann meiner aber schon 3 Sprachen. All das wird nicht berücksichtigt.
    Was soll man als Türke in Deutschland noch machen? Sich dagegen auflehnen? Protestieren?
    Aber es gibt ein Sprichwort: wer den Wind sät, wird den Sturm ernten.

    Die nachfolgenden Generationen von Türken, falls wir nicht abgeschoben werden, werden sich das ganze nicht mehr gefallen lassen. Hoffentlich wird es eigene Parteien und wohlorganisierte Verbände geben, die deren Rechte vertreten. Unsere Väter, die vor 30-40 Jahren hierher kamen, hatten nur das Geld im Kopf und wollten so schnell wie möglich zurück in die Heimat, außerdem hatten viele wenig Bildung (mein Vater hat die 5 Klasse besucht, meine Mutter nur die 3 Klasse).

    Vieleicht hat Herr Sarrazin diese Gruppe vor Augen gehabt, die motivationslos, desinteressiert und arbeitlos in die Röhre schauen und über die Berichtet. Mich meint er damit nicht, aber wahrscheinlich meine Kinder…

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