Nutzen und Schaden der sarrazinschen Debattenkultur

12. Oktober 2009 | Von E. S. | Kategorie: Leitartikel, Politik | 10 Kommentare | Artikel versenden

Thilo Sarrazin habe eine Debatte über Tabuthemen ausgelöst, eine Diskussion über die feige deutsche Debattenkultur, heißt es gut eine Woche nach Erscheinen seines Interviews. Er habe mutig ausgesprochen, was viele sowieso dachten und wussten. Er habe - zugegeben - zwar zugespitzt und pauschalisiert, so seine Befürworter, doch müsse man seine Worte differenziert und im Gesamtkontext betrachten.

Thilo Sarrazin

Thilo Sarrazin

Ja, er hat eine Debatte ausgelöst und ja, er war mutig. Ist die Debatte aber, die er ausgelöst hat, wünschens- und erstrebenswert? Und vor allem: wem nutzt es und wem schadet sie?

Bereits jetzt ist abzusehen, dass dank Sarrazin Zuspitzungen und Pauschalisierungen um ein Stück weit hoffähiger geworden ist. Dank Sarrazin muss man sich nicht mehr dreimal umschauen, wenn man über integrationsunwillige und –unfähige „neue Kopftuchmädchen“ spricht, die in die Welt gesetzt werden, um Deutschland zu erobern, die vom Staat leben und diese zu allem Überdruss auch noch ablehnen. Wer lediglich sagt: „Sarrazin hat doch recht“, braucht sich nicht einmal mehr zu vergewissern, dass er unbeobachtet ist. In der Bahn, beim Einkaufen und vor allem am Arbeitsplatz und in der Schule.

Und da wären wir auch schon beim Nutzen und Schaden der sarrazinschen Debattenkultur angelangt. Nicht alle einheimischen Nachbarn, Lehrer und Arbeitgeber haben schon immer wie Sarrazin gedacht. Und ganz sicher sind nicht bis zu 90 % der Türken und Araber so, wie Sarrazin versucht, es uns nahezulegen.

Wir wissen, dass türkischstämmige Akademiker immer häufiger mit dem Gedanken spielen, in die Türkei auszuwandern, weil sie trotz guter Ausbildung und Hochschulabschluss auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden und weil sie sich bei gleichen Leistungen zehn Mal häufiger um eine Stelle bewerben müssen als die deutsche Konkurrenz, um zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Wir wissen auch, dass Kinder aus sozial schwachen Familien bei gleichen schulischen Leistungen seltener eine Empfehlung für ein Gymnasium bekommen als Kinder aus gut betuchten Familien. Leider trifft dieser Umstand überdurchschnittlich Türken und Araber bzw. muslimische Kinder. Und wir wissen auch, dass Wohnungsinteressenten mit ausländisch klingenden Namen aus den großstädtischen Brennpunkten nur schwer herauskommen, selbst wenn sie sich damit eine bessere Schule in der näheren Umgebung für ihre Kinder erhoffen. Wir wissen, dass sozial schwache es ungleich schwerer haben und ein guter Wille allein nicht ausreicht.

Sicherlich. Nicht alle Türken und Araber haben einen Hochschulabschluss oder gute Schulnoten und wollen ihrer Kinder wegen raus aus den sozialen Brennpunkten. Doch es gibt sie.

Schauen wir uns den einheimischen Arbeitgeber, die Lehrerin oder den Wohnungseigentümer an, ergibt sich ein ähnliches Bild. Wir wissen, dass die ausländische Herkunft nicht für alle Arbeitgeber ein KO-Kriterium ist. Ein ähnliches Bild auch unter Lehrern: Wir wissen, dass nicht alle eine Empfehlung für das Gymnasium vom sozialen Status der Eltern abhängig machen. Und wir wissen auch, dass es Vermieter gibt, die keine Vorbehalte gegenüber Türken und Araber haben. Nichts Neues also; das alles wissen wir bereits.

Öffentliche Debatten sind meinungsbildend und prägend zugleich für die Gesellschaft. Sie verfestigen bereits vorhandene Vorstellungen, lassen sie entstehen oder ändern sie. Wenn Sarrazin 70 % der Türken und 90 % der Araber über einen Kamm schert, ihnen Integrationsunwilligkeit und -unfähigkeit unterstellt, die nur darauf aus sind, Deutschland durch eine höhere Geburtenrate zu erobern mit „neuen Kopftuchmädchen“, so ist auch dies geeignet, das Meinungsbild der Gesellschaft zu prägen. Immerhin kommt das von einem Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank!

Im Ergebnis werden sich noch mehr Arbeitgeber, Lehrer und Vermieter am Namen der Bewerber oder am sozialen Status orientieren, um auch ja niemanden zu unterstützen, einzustellen oder vorzuziehen, der unwillig und unfähig ist und Eroberungspläne schmiedet. Wenn bis zu 90 % der Türken und Araber bedrohlich sind, wäre die Trefferquote und damit auch das Risiko viel zu hoch, um ein Wagnis einzugehen.

So werden Türken und Araber weitere Steine auf den ohnehin holprigen Weg gelegt. Die sarrazinschen Flöhe im Ohr von Arbeitgebern, Lehrern und Vermietern, die eine Entscheidung zwischen den Bewerbern Yusuf und Josef treffen müssen, werden fleißig ins Ohr flüstern, wenn die Auswahl getroffen werden muss. Josef statt Yusuf wird bevorzugt werden.

“Manche Bevölkerungsteile” werden eher auf staatliche Mittel angewiesen sein, werden dort wohnen müssen, was für sie noch bezahlbar ist und ihre Kinder werden eine Schule in der Nähe besuchen, aus der nur wenige Gymnasiasten hervorgehen. Und der nächste Sarrazin wird Yusuf und seinen Kindern Integrationsunwilligkeit und -unfähigkeit vorwerfen. Die Flöhe im Ohr werden sich mehren. Die sarrazinsche Debattenkultur wird die Gesellschaft in einen immer tieferen Teufelskreis treiben.

Daher ist die sarrazinsche Debattenkultur kontraproduktiv, weder wünschens- noch erstrebenswert. Es hat keinen Nutzen und schadet der Gesamtgesellschaft. Probleme beim Namen nennen? Ja, definitiv. Aber bitte konstruktiv. Den Teufelskreis haben wir bereits. Es gibt integrationsunwillige Türken und Araber. Gibt es die aber wirklich nur in „manchen Bevölkerungsteilen“? Wie hoch ist wohl der Anteil derer, denen Sarrazin auch die Integrationsfähigkeit abspricht? Sind wirklich bis zu 90 % der Türken und Araber wirtschaftlich betrachtet nutzlos? Und was bitte hat das Kopftuch mit ökonomischen Faktoren zu tun? Müsste es einem Banker nicht egal sein, ob eine Frau Kopftuch trägt, wenn sie ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft bestreiten kann und für eine gute Ausbildung ihrer Kinder sorgt?

In diesem Zusammenhang spielt ein Rücktritt bzw. „zurückgetreten werden“ Sarrazins eine entscheidende Rolle. Es wäre ein Warnsignal an alle ähnlich denkenden Geister. Davon würde abhängen, ob sich die sarrazinsche Art zu diskutieren durchsetzt.

Nehmen die Verantwortlichen Sarrazins Schelte hin – die keine Entgleisungen sind, sondern trotz Protesten des Vorsitzenden der Deutschen Bundesbank veröffentlicht wurden, werden sie sich Derartiges auch künftig anhören müssen und legen heute den Grundstein dafür.

Sollte Sarrazin mit einem blauen Auge davon kommen, kann sich in Zukunft kein Verantwortlicher mehr erbost, empört oder überrascht zeigen, wenn ähnliche Stimmen laut werden. Es wäre nicht glaubhaft. Denn bisher sind wir Derartiges nur aus dem rechten und islamophoben Lager gewohnt, die zu Recht nicht nur keine Akzeptanz und kein Gehör finden, sondern möglichst auch von öffentlichen Ämtern ferngehalten werden. Wieso sonst warnt man insbesondere vor den Wahlen vor der NPD? Nicht, weil man um die eigenen Sitze in den Parlamenten bangt, sondern weil deren Hetze grundsätzlich inakzeptabel ist, oder? Es liegt an den Verantwortlichen, dieses „oder?“ aus der Welt zu schaffen.

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10 Kommentare
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  1. Ich stimme Ekrem Senol vorbehaltlos zu. Die aus dem Interview mit Hr. Sarrazin herausgezogenen Punkte, die nun eine “schon seit langem erforderliche Diskussion” voranbringen soll, ist eine Diskussion, die auf eine weitere Spaltung der Gesellschaft hinausläuft, auf eine Bloßstellung vermeindlicher Sündenböcke. Aber, und das ganz besonders, von eigenen, seit Jahrzehnten immer wieder gemachten Fehlern und Ressentiments ablenkt.

    Daneben hat Hr. Sarrazin ein sehr fragwürdiges Weltbild bezüglich des Wertes von Menschen. Anscheinend sind nur solche Menschen v on Wert für eine Gesellschaft, die richtige “Werte” schaffen. Aber was ist das, richtige Werte? Ein Gemüsehändler gehört anscheinend nicht dazu. Nur, was meint er dann? Bundesbänker, die jeden Tag Zahlen hin und herschieben? Fondsmanager (die mit Pyramidenspielen “Werte” aus nichts schaffen, die letztlich von Steuerzahlern wie dem “anatolischen Gemüsehändler” bezahlt werden müssen? Autobauern? Bahnmanagern, die die Gesundheit ihrer Kunden aufs Spiel setzen?

    Ganz abgesehen davon, Berlin, Ost- und Westberlin, hat eben nach der Wende nicht nur Arbeitsplätze in der Zigarettendrehindustrie, Keksproduktion oder Rasierklingenherstellung verloren, sondern auch fast komplett seine industrielle Produktionskapazität. Also Arbeitsplätze, die wohl, um Duktus Hr. Sarrazins zu bleiben, “echte” Werte geschaffen haben. Das war zum Teil auch von der Politik gewollt, die in der Person von Hr. Sarrazin jetzt gegen Leute schießt, die aus dieser Entwicklung als die Verlierer hervorgegangen sind.

    Hr. Sarrazins Äußerungen, auch wenn sie aus dem Zusammenhang des Interviews gerissen sind, offenbaren eine abgrundtiefe Aroganz gegenüber Leuten, die nicht seinem Menschenbild entsprechen.

    Und was die “Probleme” in bestimmten Stadtteilen in Berlin betrifft. Das sind für mich ganz normale Probleme, die immer dann auftauchen, wenn die Politik permanent die Prinzipien der Chancengleichheit missachtet, Gruppen von Menschen von vornherein als nicht gleichwertige Mitglieder einer Gesellschaft darstellt (und entsprechend abschiebt - sei es nun nach Berlin-Kreuzberg, Wrangelkiez, der zu Beginn der 70er Jahre ja eigentlich dem innerstädtischen Autobahnbau und der Komplettsanierung zum Opfer fallen sollte, weshalb diese Stadtteile bewusst entmietet wurden und die Gastarbeiter, da sowieso nur für 2-3 Jahre in Deutschland verbleibend, gerne gesehene Kurzzeitmieter waren. Oder, als Beispiel in Düsseldorf in die Kiefernstraße, Theodorstraße oder den Hellweg, ähnliche Situation, nur kleiner dimensioniert. jede Stadt ihre entsprechenden Straßen, viertel, Gegenden, die immer den Ruf hochkommen lassen “hier muss endlich was gemacht werden”).

    Das müsste Hr. Sarrazin aber wissen, wenn er mal etwas anderes studiert als seine Tabellen, Graphiken und eigenen Vorurteile. Was hat er denn als Finanzsenator dazu beigetragen, dass vielleicht der Bldungsbereich eine bessere personelle Ausstattung erhält, mit der die schulischen Chancen der Schüler in Kreuzberg/Neukölln/Weding verbessert werden?

    Hr. Sarrazin trägt nicht dazu bei, ein Problem zu lösen, in dem er es anspricht, Hr. Sarrazin ist Teil des Problems. Er verschärft es noch, weil er Ressentiments weckt, die aus Unkenntnis eines Gegenübers resultieren. (Im Fall von Hr. Sarrazin führen diese zu Abwehrreaktionen, die auf eine Ausgrenzung hinauslaufen, die Wurzel für Hass. Genug der Pantoffelpsychologie.)

    MfG
    Tagedieb

  2. @ Tagedieb

    vielen Dank für den Beitrag. Dein Kommentar hat einen Beitrag von mir absolut überflüssig gemacht (obgleich ich zugeben muss, dass mein Kommentar niemals so gut gelungen wäre…). Ich möcht aber dennoch noch einmal einiges hervorheben, damit das auch ja glasklarwird:

    Die aus dem Interview mit Hr. Sarrazin herausgezogenen Punkte, die nun eine “schon seit langem erforderliche Diskussion” voranbringen soll, ist eine Diskussion, die auf eine weitere Spaltung der Gesellschaft hinausläuft, auf eine Bloßstellung vermeindlicher Sündenböcke.

    Daneben hat Hr. Sarrazin ein sehr fragwürdiges Weltbild bezüglich des Wertes von Menschen.

    Und was die “Probleme” in bestimmten Stadtteilen in Berlin betrifft. Das sind für mich ganz normale Probleme, die immer dann auftauchen, wenn die Politik permanent die Prinzipien der Chancengleichheit missachtet, Gruppen von Menschen von vornherein als nicht gleichwertige Mitglieder einer Gesellschaft darstellt

    Was hat er denn als Finanzsenator dazu beigetragen, dass vielleicht der Bldungsbereich eine bessere personelle Ausstattung erhält, mit der die schulischen Chancen der Schüler in Kreuzberg/Neukölln/Weding verbessert werden?

    Hr. Sarrazin trägt nicht dazu bei, ein Problem zu lösen, in dem er es anspricht, Hr. Sarrazin ist Teil des Problems.

    Würde ich alles sofort unterschreiben.

  3. Ach, was für eine kritische Aufregung.

    Man muss ja nun kein Vertreter der Ansichten von Herrn Sarrazin sein - aber wer andere kritisieren will, der sollte auch selbstkritisch sein ! Tja - und das ist eine Eigenschaft die dem muslimischen Denken total abgeht. Warum auch immer ;-)

    Es gibt ja eine Menge berechtigter Kritikpunkte an dem was Sarrazin gesagt hat, und es gibt auch eine Menge berechtigter Kritik an der deutschen Integrationspolitik ! Punkt.

    Es gibt aber keine Alleinschuld. Und in Anbetracht der Tatsache, das wir in Deutschland eine ganz bunte Masse von Menschen haben, muss man sich schon die Frage gefllen lassen, warum ausgerechnet Menschen aus dem islamsichen Kulturkreis sich besonders schwer tun mit der Integration ?!!!!?!!

    Wer diese Frage verweigert hat kein ehrliches Interesse an einem Dialog !

    Also bringt doch mal was selbstkritisches - bevor ich es euch reflektieren muss ;-)

    Achim

  4. zu Achim:

    ich bin der gleichen Meinung, gegen die Kritik von Herrn Sarazzin wird nicht selbstkritisch geschrieben sondern nur - hauptsächlich von der muslimischen Seite - oppuniert.
    Ich sehe zwar auch, dass einigen hier geborenen Migranten nicht die nötige Hilfe zur Selbsthilfe gegeben wird, aber was ich auch sehe ist, das viele Migranten es sich hier - auf Kosten der steuerzahlenden Bevölkerung - gut gehen lassen, besser jedenfalls, als es ihnen in ihrem Ursprungsländern gelänge.
    Da ist wohl Jammern auf hohem Niveau gegen die Mehrheitsgesellschaft einfacher.

    Es ist wohl auch einfacher, sich z.b. als kopftuchtragende Muslima auszugrenzen und Hartz 4 zu kassieren, als sich, wie in der Türkei - speziell in den Grosstädten üblich - sich in der Kleidung anzupassen (ohne Kopftuch) um so die Chancen einer Anstellung hier in Deutschland zu erhöhen, oder?

    Ich erwarte z.B. von einem Chinesen, wenn er in Deutschland lebt, dass er rein äusserlich sich in seiner Kleidung anpasst, warum meint eine Muslima mit Kopftuch und ein Muslim mit Fez und Pluderhosen dies nicht zu müssen? Religiöse Gründe akzeptiere ich nur im “trauten Heim”, nicht in der Öffentlichkeit.

    Also, ihr lieben Migranten “wehrt” euch nicht nur, weil normale Dinge von Euch verlangt werden, die vielleicht eurer Mentalität entgegen stehen oder Allah nicht gefallen, in Deutschland gelten andere kulturelle Regeln.

  5. Die Aussage von Herr Sarrazin war nach meiner persönlichen Meinung nicht korrekt, denn er nennt nur die Türken. Haben sich seiner Meinung nach die Italiener, Russen, Polen, Schweizer, Österreicher, Chinesen, Franzosen und Argentinier besser integriert? Oder will er damit sagen, von den Türken sind zu viele da? Oder ist das nur in Berlin mit den Türken so schlimm? Was er genau damit sagen will, weiß ich nicht.

    Fakt ist, die Türken stehen jetzt am Pranger und das zu Unrecht, denn die Türken leben nicht nur in Berlin, sondern sie sind im ganzen Land verteilt. Herr Sarrazin war voher nicht Politiker in der Pfalz, sondern er war Politiker in Berlin. Hat er dort dafür gesorgt, das sich die Türken besser integrieren? Kauft er sein Gemüse nur beim Türken? Nimmt er nur einen Preußen als Anwalt? Nichts genaues, weiß man nicht !

    Aber lasst uns doch das Spiel einwenig verändern. Ja, spielen wir einfach mal mit Berlin, als Baden-Württemberger darf man das. :)

    Die Berliner leben gern in Saus und Braus, produzieren aber lauter kleine Schuldenmacher, und das schon seit 45. Der Berliner zahlt nichts ein, der Berliner nimmt nur raus. Der Berliner braucht immer eine Extrawurst, sei es ein Rosinenbomer oder eine lange Mauer.

    Was will ich damit sagen? Ein Politiker, der aktiv die Berliner Finanz-Suppe mitgestalltet hat, welche dann wieder die Bayern, Baden-Württemberger und die Hessen über den Länderfinanzausgleich auslöffeln dürfen. Ein solcher Politiker möge sich mal an die eigene Nase fassen und sich fragen ob der Rest der Republik überhaupt gewillt ist, sich solch eine Diskussion anzuhören. Denn die Berliner Finanzpolitik kostet uns mehr Geld wie ein paar Kopftuchmädchen.

  6. Sarrazin hat ja eigentlich recht. Wir leben hier, machen Unmengen an Kindern und wenn wir nichts lernern, so leben wir vom Staat.
    Ich habe studiert und bin nun (Kleiner-) Unternehmer mit 14 Angestellten. Ich selber zahle vielleicht mehr als das 5 Fache an Steuern (vom UMS bis Kapitalertrags- und GewerbeST) als ein normaler Arbeiter. Habe 4 Kinder und bin in der gleichen Schei.. wie alle anderen Türken.
    Wie schon einige Vorschreiber, habe auch ich die Problematik, das meine Kinder in den Grundschulen als Ausländer MEHR erreichen müssen, als vergleichbare Deutsche Kinder. Wieso, der beste Freund meines Kleinsten hat in fast allen Schularbeiten gleiche Noten und meiner soll auf die Hauptschule, der “Deutsche” in die Realschule. Grund von Seitens der Lehrerin: zuwenig Deutschkenntnisse. Wie bei fast all meinen anderen.
    Deutschkenntnisse zuwenig: kann sein, dafür kann meiner eine 2 Sprache zusätzlich, was die deutschen erst mit 14 oder 15 Jahren (Englisch) können. da kann meiner aber schon 3 Sprachen. All das wird nicht berücksichtigt.
    Was soll man als Türke in Deutschland noch machen? Sich dagegen auflehnen? Protestieren?
    Aber es gibt ein Sprichwort: wer den Wind sät, wird den Sturm ernten.

    Die nachfolgenden Generationen von Türken, falls wir nicht abgeschoben werden, werden sich das ganze nicht mehr gefallen lassen. Hoffentlich wird es eigene Parteien und wohlorganisierte Verbände geben, die deren Rechte vertreten. Unsere Väter, die vor 30-40 Jahren hierher kamen, hatten nur das Geld im Kopf und wollten so schnell wie möglich zurück in die Heimat, außerdem hatten viele wenig Bildung (mein Vater hat die 5 Klasse besucht, meine Mutter nur die 3 Klasse).

    Vieleicht hat Herr Sarrazin diese Gruppe vor Augen gehabt, die motivationslos, desinteressiert und arbeitlos in die Röhre schauen und über die Berichtet. Mich meint er damit nicht, aber wahrscheinlich meine Kinder…

  7. Nachstehenden Artikel habe ich bei AOL gelesen. Ich finde, er ist lesens- und nachdenkenswert:

    Pragmatikerin


    “Thilo Sarrazins These
    Satellitenschüsseln verhindern Integration
    Thilo Sarrazin nimmt beim Disput mit Hessens Integrationsminister kein Wort seiner Kritik zurück, sondern legt nach: Er sieht Ausländer gefordert, sich selbst zu bilden – und meint vor allem die Türken. Sie sollten nicht nur türkische Zeitungen lesen und türkisches Fernsehen schauen. Russen würden sich mehr anstrengen.

    Dienstagabend, 19.30 Uhr, Hessisches Integrationsministerium Wiesbaden: „Ich verfluche Satellitenschüsseln“, sagt Thilo Sarrazin, „ohne die wären wir weiter mit der Integration.“ Deutsch lernen sei eben „zu 80 Prozent eine Bringschuld“, wer aber nur türkische Zeitungen lese, türkisches Fernsehen sehe und nur türkische Freunde treffe, der wolle sich nicht integrieren. Und wessen Kind keine Hausaufgaben mache, dem gehöre das Kindergeld gekürzt.

    Es sind solche Sätze, die seine Kritiker auf die Palme bringen: Thilo Sarrazin, Ex-SPD-Finanzsenator in Berlin und heutiger Bundesbank-Vorstand, ist zweifellos derzeit das Enfant terrible der deutschen Integrationsdiskussion. Kritiker werfen ihm Äußerungen vom rechten Rand vor, das Schüren von Vorurteilen und Ressentiments gegen Ausländer.
    Sarrazin hat Hartz-IV-Empfängern schon kaltes Duschen empfohlen und türkischen Migranten in Berlin vorgeworfen, eine produktive Funktion nur für den Obst- und Gemüsehandel zu haben und ständig „neue, kleine Kopftuchmädchen“ zu machen. „Paukenschläge“ nennt der 65-Jährige selbst seine Äußerungen und sagt süffisant, seine Wortwahl sei doch „verständlich“ – und nur so würden die Menschen doch aufwachen. „Ich bemühe mich nicht, provokant zu sein, das gelingt mir nicht immer“, sagt er und lächelt dabei leicht.

    Darf man so jemanden zu einer Talkrunde einladen und ihm ein Forum geben? Das sei sogar „klug“, sagte der hessische Minister für Justiz und Integration, Jörg-Uwe Hahn (FDP) – und lud Sarrazin zu einer Diskussion zum Thema Integration nach Wiesbaden ein. Es sei doch klug, „kantigere Personen einzuladen“ und nicht solche, „bei denen nach zehn Minuten alle einer Meinung sind“, befand Hahn. Schließlich laute das Motto der Veranstaltung „Freiheit, die ich meine“, die Gesellschaft müsse aufpassen, „dass wir nicht glauben, dass wenn wir nur über Tatsachen reden, das sei schon eine Diskriminierung“. Es gebe eine „latente Angst“ in der Bevölkerung, darüber müsse man reden und das nicht „mit einem Schweigeverbot oder Denkverbot“ belegen. Gleichwohl räumte der Minister auch ein: Die Wirkung seiner Worte müsse man schon bedenken, Deutschland brauche eine „Willkommenskultur“ und wolle nicht abschrecken.
    Ein “Best of” von Sarrazins Sprüchen

    Über die Wortwahl könne man reden, räumt Sarrazin ganz zahm ein, zurück nimmt er kein einziges Wort. Die Fakten, die er für Berlin genannt habe, „stimmen alle“, und neue fügt er gleich hinzu: Laut der statistischen Daten hätten Migranten aus der Türkei, dem arabischen Raum und Afrika schlechtere Schulabschlüsse und weniger Arbeitsplätze. Andere Migrantengruppen, etwa aus Thailand oder Russland, strengten sich mehr an, sie seien in der zweiten Generation auf dem Stand der Deutschen.

    „Das mag kränken, aber es weist auf die Menschen selbst zurück“, sagt Sarrazin. Es gebe eben in Berlin-Neukölln Gebiete, in denen 80 Prozent der Einwohner von Hartz IV lebten. Geld zu bekommen „für seine schiere Existenz“, das sei „eine krasse Fehlentwicklung“, befand Sarrazin. Andere Einwanderungsländer wie die USA oder Australien wählten die besten aus, und niemand brauche dort einen Minister für Integration: „Die Integration erfolgt über den Arbeitsmarkt, das ist normal.“

    „Wir reden aber nicht über Zahlen, sondern über Menschen“, wandte zaghaft Kenan Kubilay ein, Geschäftsführer der türkischen Mediengesellschaft Ihlas, zu der die Zeitung „Türkiye“ gehört, und der Dritte auf dem Podium. „Jetzt in die Wunde Salz und Pfeffer zu geben, was nützt das?“, fragt er. Man müsse gemeinsam nach Lösungen suchen, denn man sitze doch „im gleichen Sofa, Herr Sarrazin, wenn es umkippt, kippen wir beide um“. Seine Lösung laute „Bildung“, kontert Sarrazin: Wäre er Schulsenator, dann würde er vor allem die Qualität der Schulbildung puschen. Jedes Kind im 3.Schuljahr müsse Deutsch können und fließend lesen. Es gäbe andere Lehrpläne, zeitnah kontrolliert, und jeden Tag Hausaufgaben. Und wer die nicht mache, dem könne man ja das Kindergeld kürzen.

    Solche negativen Bilder ermutigten Migranten nicht, sich mehr zu integrieren, sagt dagegen der türkische Journalist Gökhan Küzük: Eine Bevölkerungsgruppe werde „schuldig gesprochen, aber warum sie nicht erfolgreich sind, sagt er nicht“, kritisiert er. „Vielen Dank für Ihre klaren Worte“, sagt dagegen ein anderer Zuhörer. 860 Briefe habe er bisher als Reaktion bekommen, sagt Sarrazin, die große Mehrheit „emphatisch positiv“ und mit dem Tenor: „Gut, dass das einmal einer gesagt hat.“ „Hier ist eine Not im Volke“, sagt Sarrazin: Da herrsche ein Druck, „den ich mir so auch nicht klargemacht habe“. “

  8. Dieser Webblog ist total überholt und wenn man aktuell über die Stimmung der Deutschen gegenüber den Muslimen schreibt, wird der Beitrag gelöscht.

    Löschen Sie diesen Blog Herr E.S. er ist eine einzigartige Farce

  9. Zugegeben, die von Sarrazin ausgelöste Debatte hat durchaus unerwünschte Nebenwirkungen. Man muss sich allerdings vergegenwärtigen, auf welchem Boden das Thema überhaupt diese Dimension angenommen hat: Jahrzehntelang haben politisch korrekte Gutmenschen und Multi-Kulti-Fanatiker jede rationale Auseinandersetzung mit den Problemen der Migration bereits im Keim erstickt. Dadurch entstand eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem offiziellen Heile-Welt-Bild und der realen Erfahrung der Menschen. Nur deshalb fällt Sarrazins Kritik auf derart fruchtbaren Boden!

  10. “Muslime sind längst schon zu einem unverzichtbaren Teil der Gesamtgesellschaft geworden. ”

    Sicher. Und das ist auch gut so und sollte eigentlich überhaupt kein Problem sein. Niemand hat in diesem Land ein Problem mit vernünftigen Menschen, egal woher sie kommen. Absurd ist die pauschale Behauptung, daß Muslime hier nicht willkommen sein!

    Man darf aber nicht die Augen vor den unangnehmen Tatsachen verschließen: Denn (zugewanderte) Muslime sind mittlerweile überproportional zu einem festen Bestandteil von Transferleistungsempfängern geworden. Sie sind auch fester Bestandteil derjenigen geworden, die keine Schulabschlüsse vorweisen können. Sie sind ebenso fester Bestandteil derjenigen geworden, die alltäglich auf unseren Straßen Angst und Schrecken verbreiten und gewalttätig werden. Hier vermisse ich eine öffentliche Reflektion, Verurteilung und Stellungnahme der muslimischen Gemeinschaft.

    Das ist bittere Realität. Und ebenso bitter ist es, daß dies komischerweise nur in Europa ein Problem ist. Wie sieht denn die Integration in Brasilien aus? Die funktioniert dort ganz wunderbar. Denn dort gibt es keinen fürsorglichen Vater Staat, der jedem Antragsteller ein auskömmliches Leben für sich und seine Familie finanziert. Deswegen wandert dorthin kein Mensch aus, der nicht für sich selber sorgen kann. Und wer für sich selber sorgt und ein Ziel vor Augen hat, der wird in den seltensten Fällen gewalttätig und verachtet in der Regel nicht das Land, in dem er gut leben kann.

    Und ich möchte doch bitten, hinzunehmen, daß Akzeptanz immer auf Gegenseitigkeit beruht. Wer jetzt von wem nicht akzeptiert wird und deshalb die beleidigte Leberwurst spielen darf, ist müssig zu erörtern. Dabei funktioniert das ganz einfach: Wenn ich ein Interesse habe, daß man mich irgendwo akzeptiert, trete ich halt etwas zurück. Ich kann doch nicht ernsthaft erwarten, daß man mir als Minderheit oder Fremder oder neues Mitglied in irgendeinem Verein gleich der ganz große Bahnhof bereitet wird. Wo leben wir denn!

    Ich kann daher dieses überdimensionale Anspruchsdenken von Zuwanderen überhaupt nicht verstehen. Staat, gib mir Geld! Staat, mach, daß ich integriert werde! Staat, gib mir eine Ausbildung! Staat, gib mir dies, gib mir das! Diese Einstellung ist unerträglich. Aber noch unerträglicher ist so eine Einstellung von Leuten, die für diesen Staat noch absolut gar nichts getan haben und auch nicht vorhaben, jemals der Gemeinschaft etwas zurückzugeben.

    Und genau diese Leute sind es, die von der Gemeinschaft nicht akzeptiert werden. Verständlich, oder?

 

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