Schulleiter will sich Kopftuchverbotsgesetz nicht beugen

10. Juni 2006 | Von E. S. | Kategorie: Leitartikel | Keine Kommentare | Artikel versenden

Der Leiter des Georg-Büchner-Aufbaugymnasiums in Nordrhein-Westfalen, Gunter Stauf, erlaubt seiner muslimischen Lehrerin, dass sie trotz des neuen Kopftuchverbots weiterhin mit Kopftuch unterrichtet. „Ich bin doch nicht der Handlanger des Landtags. Ich brauche Lehrer, die etwas unter dem Kopftuch haben“, sagte Stauf. Damit droht dem Schulleiter möglicherweise eine Dienstaufsichtsbeschwerde.

Denn Nordrhein-Westfalen hat kürzlich als achtes Bundesland ein Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen eingeführt. Wie eine Sprecherin des Schulministeriums mitteilte, soll der neue Beschluss Mitte Juni im Gesetz- und Verordnungsblatt veröffentlicht werden und dann verpflichtend gelten. Der Schulleiter habe die Verantwortung, dass ein neuer Beschluss umgesetzt wird. „Nimmt er die nicht auf sich, wird gegen ihn ein Disziplinarverfahren eingeleitet, nimmt die Lehrerin das Kopftuch nicht ab, wird sie suspendiert“, sagte die Sprecherin. Ausnahmen gebe es keine.

Die 29-jährige Lehrerin für Deutsch und Englisch möchte ihren Beruf nicht aufgeben. Sie sagte: „Ich möchte das Stück Stoff nicht abnehmen, ich möchte aber auch ganz dringend weiter in meinem Beruf arbeiten.“ Zudem stellte sie klar: „Für mich gibt es aber keine Alternative zur Demokratie.“ Auch lehne sie ab, dass Kopftücher als eindeutig politisches Symbol getragen werden und das Mädchen oder Frauen dazu von ihren Vätern, Männern, Brüdern oder auch Müttern gezwungen werden.

Die Lehrerin hatte sich bereits mit einem Kopftuch in der Schule beworben. „Wir wussten also genau, was auf uns zukommt. Unter dreißig Bewerbern hat sie uns mit ihrem Konzept sprachlos gemacht. Sie begeistert die Schüler für ihren Unterricht, diese Frau ist das Beste, was unserer Schule passieren konnte. Sie hat bewiesen, dass sie mit dem Tragen eines Kopftuches keine politischen Ziele verfolgt. Ich bin nicht bereit, auf sie zu verzichten. Wir alle werden dafür kämpfen, dass sie bleibt und zwar mit Kopftuch“, sagte der Schulleiter und fügte hinzu: „Wird ihre Lehrerin gezwungen ihres abzunehmen, fühlen sich nicht nur die Mädchen, sondern auch die muslimischen Jungs mal wieder ausgegrenzt. Wie soll ich ihnen das erklären, nachdem die ganze Politik nur noch über Integration redet?“

Nach Angaben des Schulleiters gebe es unter den 600 Schülern etwa 30 Schülerinnen mit Kopftuch. Der Schulleiter erklärte dazu: „Der Islam hat unsere Kultur geprägt, und wir haben uns damit auseinanderzusetzen. Und das funktioniert ganz bestimmt nicht mit unsinnigen Gesetzen.“ Damit die Lehrerin auch weiterhin mit Kopftuch unterrichten kann, denkt die Schule auch über ungewöhnliche Proteste nach. „Dann setzen wir uns eben alle ein Kopftuch auf. Das gesamte Kollegium steht hinter der jungen Frau, und das können wir auch öffentlich zeigen“, sagte der Schulleiter.

Ekrem Senol - Köln, 10.06.2006

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