Niedersachsens Innenminister möchte „liberale Imame“ ausbilden

27. Mai 2008 | Von E. S. | Kategorie: Gastbeiträge, Gesellschaft | 3 Kommentare | Artikel versenden

Niedersachsen

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Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann fordert die Moscheen dazu auf, nur noch in deutscher Sprache zu predigen. Die Moscheen sollen die hierfür nötige Imam-Ausbildung allerdings nicht auf Grundlage ihres religiösen Selbstverständnisses selbst ordnen und gestalten können. Diese Aufgabe soll vielmehr ein „liberaler“ Beraterkreis unter anderem bestehend aus Prof. Tilman Nagel und Necla Kelek übernehmen.

Er könne es nicht akzeptieren, dass die Muslime nicht auf Deutsch predigen, erklärte Schünemann zunächst bei der Bekanntgabe seiner Pläne für eine Imam-Ausbildung an einer niedersächsischen Universität. Der Innenminister war sich dabei jedoch bewusst, dass seine Forderung nicht verfassungskonform ist. Er relativierte seinen Anspruch schließlich, indem er auf die Freiwilligkeit der Sprachauswahl ausdrücklich hinwies. Dies war allerdings nicht der einzige Punkt, bei dem Schünemann uneins mit der Verfassung war.

Danach kritisierte er die Deutsche Islamkonferenz des Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble. Er glaube, dass die Konferenz auf Bundesebene mittlerweile von den islamischen Religionsgemeinschaften dominiert werde. Deshalb habe er einen Beraterkreis „Integration von Muslimen“ aus Islamwissenschaftlern und anderen „Experten“ in Niedersachsen gegründet, die einen „liberalen Islam“ repräsentieren sollen. Dazu gehörten unter anderem der Orientalist Prof. Tilman Nagel, der Sozialwissenschaftler Dursun Tan, der der alawitischen Religionsgemeinschaft angehört und Necla Kelek, die bis vor kurzem Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der dezidiert religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung war. Dieses „liberal-islamische“ Gremium soll unter anderem an der Erarbeitung des angekündigten Ausbildungsprogramms für Imame involviert sein.

Dem niedersächsischen Innenminister schwebt dabei offensichtlich ein etwas ungewöhnlich „liberales“ Islambild vor, das selbst in seinen eigenen Angelegenheiten staatlichen Reglementierungen ausgesetzt sein soll. Dabei verkennt Schünemann, dass in diesem Innenbereich der Religionsgemeinschaften noch nicht einmal ein für alle geltendes staatliches Gesetz gibt. Die Selbstordnungsbefugnis von Religionsgemeinschaften ist originär und nicht vom Staat abgeleitet. Zu den inneren Angelegenheiten einer Religionsgemeinschaft gehören gerade die Rechtsverhältnisse zu ihren Beschäftigten. Auch die islamischen Religionsgemeinschaften bestimmen gemäß den verfassungsnormen frei und ohne Bindung an Grundsätze über den Bestand und die Besetzung ihrer Bediensteten. Dabei bestehen keinerlei Unterschiede zu den christlichen und jüdischen Religionsgemeinschaften. Insoweit besteht Personalhoheit. Dazu gehört selbstverständlich auch die Ausgestaltung der Ausbildung der Imame.

Eine vom Staat in dieser Form bestimmte Imam-Ausbildung verachtet grundlegend die verfassungsrechtlich gewährleisteten Regelungskompetenzen der islamischen Religionsgemeinschaften und hat deshalb keinerlei (Rechts)folgen. Die Moscheen können nicht dazu angehalten werden, einen „Imam“ einzustellen, der nicht nach ihrem religiösen Selbstverständnis ausgebildet worden ist. Herr Schünemann wird insofern sicherlich Schwierigkeiten haben, seine „liberalen Imame“ zu vermitteln; es sei denn, er gründet zusammen mit seinem „liberalen“ Beraterkreis „liberale Moscheen“ für die „liberalen Muslime“. Fragt sich nur, was dann noch von seiner „liberalen“ Geisteshaltung übrig bleiben wird.

Bekir Altas - Duisburg, 23.05.2008

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3 Kommentare
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  1. [...] auch “Niedersachsens Innenminister möchte „liberale Imame“ ausbilden“ Diskutiere über diese Nachricht. %COUNT% - (1) PostsArtikelempfehlungenSchünemann zur [...]

  2. Sehr geehrter Herr Schünemann !

    Gerade habe ich die Zeitung gelesen. Ich finde das nicht in Ordnung, das Islamische Prediger in Deutschland ausgebildet werden.Das bedeutet der Untergang für uns.Herr Schünemann, kennen sie sich im Islam aus?
    Ich glaube nicht.Sonst hätten sie das nie zugelassen. eine Buchempfehlung:

    Islam und Terrorismus . Von Mark A. Gabriel,PH.D
    Ehemals Professor für Islamische Geschichte an der AL-Azhar Uni , Kairo

    L.G.

  3. @ Elisabeth Scheibe:

    Nu mal halblang mit Untergangsfantsasien, Frau Scheibe, oder kennen Sie sich in unserer Gesellschaft auch sonst nur so dürftig aus wie in dt. Rechtschreibung und Grammatik?

    Nichtsdestoweniger aber: Herr Schünemann hat offenbar wirklich kaum Kenntnis vom Isam. Dafür halbwegs welche von der Verfassung, die er als Innenminister zu schützen und zu verteidigen hat. Über die er sich aber offenbar so wissentlich wie willentlich hinwegsetzen will, um sein saudummes Geschwätz in Gesetzesform zu gießen.

    Der Untergang, von dem Sie, Frau Scheibe, sprechen, droht weniger vom Islam als von unseren Bundes- und Landesinnenministern und anderen ähnlich kenntnislosen und demokratiefremden Hanseln in den Parlamenten.

    Widerlich!

 

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