Erneut brutaler Angriff auf einen Mann in Fürther U-Bahnhof von einem Jugendlichen

3. September 2008 | Von E. S. | Kategorie: Leitartikel, Politik | Ein Kommentar | Artikel versenden

In einem Fürther U-Bahnhof hat ein 15-Jähriger in der Nacht zum Samstag ohne Vorwarnung einen Mann beinahe totgeprügelt, der ihm Hilfe angeboten hatte. Später stieß er ihn gegen einen Fahrkartenautomaten. Nach mehreren Faustschlägen trat der Jugendliche seinem Opfer mit voller Wucht ins Gesicht. Er ließ den Verletzten reglos zurück. Die Videoaufzeichnungen, die zum Täter geführt haben, zeigen die Tat in aller Deutlichkeit.

Fürther Hauptbahnhof - Foto: http://www.flickr.com/photos/j-cornelius/63996949/

Fürther Hauptbahnhof - Foto: http://www.flickr.com/photos/j-cornelius/63996949/

Diese Meldung erinnert unweigerlich an die Vorfälle aus dem Münchener U-Bahn, wo zwei Jugendliche mit Migrationshintergrund als Täter beteiligt waren und anschließend zu langen Haftstrafen verurteilt wurden.

Der Fall aus Fürth unterscheidet sich aber in mehrfacher Hinsicht von der in München. Der Fürther Täter ist 15 Jahre alt und hat keinen Migrationshintergrund, die Tat ist nach Angaben der Polizei viel Brutaler, die Fürther Videobilder werden nicht veröffentlicht. “Selbst wenn wir den Täter nicht nach 22 Stunden gefasst hätten, hätten wir das Video keinesfalls in voller Länge an die Medien gegeben”, erklärt ein Polizeisprecher. Nach dem Vorfall in Fürth hält sich die CSU bedeckt und keine Zeitung schreibt über die Äußerungen Becksteins im Zusammenhang mit dem Fürther Vorfall außer die türkische Zaman unter dem Titel: “Zwei Prügel, zwei unterschiedliche Folgen”. Nach dem Münchener Vorfall wurde Beckstein in allen Zeitungen zitiert.

Laut Zaman habe Beckstein auf Nachfrage von Journalisten gesagt, dass der wesentliche Unterschied zum Vorfall in München der sei, dass hier der Täter lediglich 15 Jahre jung und nicht vorbestraft sei. Beckstein hätte laut Zaman gesagt, dass sie sich zunächst selbst fragen müssten, was einen 15-jährigen zu einer solchen Tat verleitet hat und was wohl die Gesellschaft falsch gemacht habe. Eine aus dem Munde Becksteins ungewohnte Selbstkritik.

Auf die Frage, wieso Beckstein sich im Fürther Fall auch nach einem Tag nach der Tat nicht geäußert habe, während er sich beim Münchener-Fall sofort gemeldet hatte, habe er erklärt, dass die amtlichen Ermittlungen andauerten und er sich nach Abschluss dessen äußern werde.

Die Süddeutsche Zeitung über die neuerliche Zurückhaltung:

Politiker warnen davor, die Tat zum Wahlkampfthema zu machen. Karl Freller, Nürnberger CSU-Vize, will den Vorfall nicht “noch unnötig emotional aufladen”. Schon im hessischen Landtagswahlkampf sei dieser “Schuss nach hinten losgegangen”. Ein CSU-Präsidiumsmitglied hofft, dass “sich daran nun alle in der Partei halten werden”.

In der SPD sorgt die Zurückhaltung für Aufatmen. “Offenbar ist die CSU doch noch lernfähig”, sagt die Abgeordnete Helga Schmitt-Bussinger. Christine Stahl von den Grünen glaubt die Gründe zu kennen. “Bei einem Schüler ohne Migrationshintergrund fällt es der CSU natürlich schwer zu polemisieren.”

Sowohl die Ähnlichkeiten als auch die Unterschiede der Münchener und Fürther Vorfälle, erübrigen im Grunde jeden Kommentar. Sie sprechen für sich. Eine türkisches Sprichwort sagt: “Görünen köy kilavuz istemez”, was übersetzt “Für das Dorf das man sieht, braucht man kein Führer” oder im übertragenen Sinne “Wer gesunde Augen hat, braucht keine Brille” bedeutet.

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Ein Kommentar
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  1. Na bitte!!! Jetzt haben die ultra Konservativen, wie Beckstein oder Koch einen Fall vor sich, das nicht einem Jugendlichen mit Migrationshintergrund zuzuschreiben ist. Aber anstatt aus ihren Fehlern zu lernen, greifen sie zu ihrer politischen Trickkiste und geben an, “dass die amtlichen Ermittlungen andauerten” und dass man sich “nach Abschluss dessen äußern werde”.

    Wenn Migranten kriminell werden spricht man von Abschiebung, “Erziehungscamps”, falscher Integrationspolitik oder von fehlender Bereitschaft von Bürgern mit Migrationshintergrund, sich in der Bundesrepublik zu integrieren. Der bayrische Ministerpräsident sollte sich Roland Kochs Wahlschlappe richtig zu Herzen nehmen, damit er überhaupt begreift wie die Öffentlichkeit darüber denkt

 

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