Deutschland ist für USA das, was Bayern für Deutschland ist

5. September 2008 | Von E. S. | Kategorie: Feuilleton, Leitartikel | 2 Kommentare | Artikel versenden

Als heute Morgen im Deutschlandfunk die Nachrichten angekündigt wurden, habe ich lauter gestellt. John McCaine, der amerikanische Präsidentschaftskandidat, habe am Parteitag der Republikaner einen politischen Neubeginn versprochen für den Fall, dass er gewählt werde. Diese Meldung wurde als erste verlesen!

Foto: Deutschlandradio

Foto: Deutschlandradio

Spontan erinnerte ich mich an das zurechtgeschnibbelte Interview Wladimir Putins mit der ARD, der folgendes sagte:

… Und nun zu einem anderen Wert, zum Thema Pressefreiheit. Sehen Sie sich nur an, wie diese Ereignisse in der Presse der USA behandelt werden, die man als Leuchte der Demokratie bezeichnet.

Genauso in der europäischen Presse. Ich war in Peking, als es zu diesen Ereignissen in Georgien kam. Der Massenbeschuss von Tschinwali war im Gange, Bodenoperationen der georgischen Truppen waren gestartet, es gab bereits zahlreiche Opfer und niemand sagte auch nur ein Wort dazu, auch Ihr Fernsehsender hat geschwiegen, alle US-Sender ebenfalls, als wäre nichts geschehen, als wäre alles ruhig.

Sobald aber der Aggressor [Georgien] eins in die Fresse gekriegt hat, sobald ihm die Zähne ausgeschlagen wurden, sobald er all seine amerikanischen Waffen zurückließ und abgehauen war, dann erinnerten alle sich plötzlich an das Völkerrecht und an das böse Russland. Alle waren plötzlich wie ein einziger Chor aufgetreten. Warum wohl eine solch unterschiedliches Verhalten? …

Wie abhängig deutsche Medien von Uncle Sam mittlerweile sind, hätte an diesem Freitag, den 5. September 2008, nicht besser dokumentiert werden können. Die atemberaubende Leere dieser Nachricht hat mich nicht mehr losgelassen. Wen, habe ich mich gefragt, juckt es, was John McCaine - ein Republikaner! - verspricht? Für wie viele US-Wahlberechtigte in Deutschland hat diese Information wohl irgendeinen Wert?

Sicher verfolgen viele Menschen gespannt den amerikanischen Wahlkampf und haben auch ein Interesse daran zu erfahren, was die Präsidentschaftskandidaten von sich geben. Immerhin wird dort der mächtigste Titel auf Erden vergeben, mit der sich auch unser Leben beeinflussen lässt.

Die Art und Weise jedoch, mit der hiesige Medien mit dem US-Wahlkampf umgehen und die seit mittlerweile Monaten andauernde Berichterstattung darüber, vermittelt mittlerweile das Gefühl, als sei Deutschland für Amerika das, was Bayern für Deutschland ist: ein Bundesstaatland, dass aufgrund einiger Sonderrechte und der Kulturhoheit meint, auf den Gebieten Rundfunk und Fernsehen souverän und unabhängig zu sein.

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2 Kommentare
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  1. Sehr geehrter Herr Senol,

    zwei kleine Anmerkungen meinerseits zu Ihren medienkritischen Erkenntnissen:
    Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass SPIEGEL Online über die georgische Militäraktion bereits vor der russischen “Invasion” in großen Leitartikeln berichtet hatte. Also ist Putins pauschalges Urteil ohne Aussage. Vielleicht schaffte sie es auch deshalb nicht in die Endfassung?

    Ich persönlich verfolge den amerikanischen Wahlkampf dieses Jahr zum ersten Mal sehr genau, weil er einfach nur verdammt spannend ist und gerade diese Entscheidung dieses Mal nun mal Auswirkungen auf die ganze Welt haben wird.

    Mit freundlichen Grüßen

  2. Es ist sehr interessant sehen zukönnen, dass im Internet (ob wissentlich oder unwissentlich) über Hinterhöfe oder Vorhöfe einiger Staatengebilde diskutiert wird.

    Ich meine man kann ja auch anfangen zu diskutieren, warum es Bayern so wie es ist gibt oder auch warum Deutschland ein souveräner Staat ist. Oder überhaupt warum wir eine Demokratie zu sein scheinen…

    Nich zu vergessen ist auch der Punkt, worum sich meist kurzzeitige Skandale drängen - dass Undemokratische - Handlungen staatlicher Organe in Verbindung mit der USA stets zum Teil in den Medien auseinander genommen werde, wir vermutlih den inneren wahren Kern gar nicht erfahren, sondern lediglich der Überdruck abgelassen wird, damit ja auch keienr auf den Kern kommt :))) und die Sache unter Dach und Fach ist…

    Lang Lebe UBSRAD

 

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