Rechtsfreier Raum Ausländeramt

10. August 2007 | Von E. S. | Kategorie: Recht | 2 Kommentare | Artikel versenden

Es gibt Ausländerämter ohne Sitzgelegenheiten und Wartescheine. Man muss sich mindestens eine Stunde vor Behördenöffnung in die Schlange stellen, um dann in einem gefährlichen Gedränge seine Papiere durch ein Handbreite geöffnete Tür durchzugeben, da man sonst keine Chance mehr bekommt, seine Angelegenheiten zu erledigen. Die Tür wird geschlossen, wenn der Beamte meint, genug Arbeit für den Tag zu haben. Aus den Fenstern kann man kaum hinaussehen, weil sie offensichtlich seit Jahren weder geputzt noch benutzt wurden weswegen ein verruchter und von Schweiß durchtränkter, übel riechender Geruch hinzukommt. Die Beamten in solchen Gebäuden gehören zu der Sorte, die sich woanders nicht durchsetzen konnten und entsprechend viele um sich herum brauchen, um die Frust herauslassen zu können. Wohl solche, wie die aus der heutigen TAZ:

… Einen Monat später saß Wartadian wieder im Wartezimmer der Behörde. Zwei Angestellte öffneten die Tür - mit einem Fußtritt. Die Angestellten hätten ihn geduzt und versucht, ihn zu einer aggressiven Reaktion zu bewegen: “Die hatten schwarze Handschuhe an, mit Nieten an den Fingern.” Er habe gefragt, ob sie vorhätten, ihn zu verprügeln, und als Antwort bekommen: “Wenn ich dich verprügeln wollte, würdest du jetzt schon am Boden liegen.” …

In seiner Behörde werde niemand beleidigt oder geduzt: “Das kommt zum einen nicht vor, zum anderen dürfte er damit kein Problem haben. Er ist es ja gewohnt, dass die Ausländer du zueinander sagen.” …

Tounou … kommt aus Benin. Seit drei Jahren lebt er in Deutschland … Die Mutter des Kindes, seine Freundin, ist eine deutsche Studentin. Nach der Geburt bat er in der Ausländerbehörde um einen sogenannten Urlaubsschein, mit dem er sich legal außerhalb seines Landkreises aufhalten könnte. Der Angestellte schob ihm ein Stück Papier zum Unterschreiben hin. Tounou unterschrieb nicht. Der Angestellte habe ihm eine freiwillige Ausreiseerklärung gegeben. …

Die Zusammenarbeit zwischen Heimleiterin … und der Ausländerbehörde funktioniert nach beiderseitigem Empfinden bestens. … 170 Menschen leben in dem Heim unter ihrer Aufsicht. Darunter Emad Rahim Mohammed. Im Dezember litt er unter starken Bauchschmerzen und bat die Heimleiterin mehrmals, einen Krankenwagen für ihn zu rufen. Inge Porath lehnte ab. Schließlich brachte ihn ein Bekannter in seinem privaten Wagen ins Krankenhaus. Mohammed wurde sofort operiert. Er hatte einen Blinddarmdurchbruch. …

Im Beisein einer Mitarbeiterin der Beratungsstelle für Migranten wurde ihm mitgeteilt, dass die Behörde rechtlich gegen ihn vorgehen werde, sollte er sich mit seinen Erlebnissen an die Öffentlichkeit wenden.

Ekrem Senol - Köln, 10.08.2007

These icons link to social bookmarking sites where readers can share and discover new web pages.
  • Y!GG
  • MisterWong
  • Digg
  • Webnews
  • del.icio.us
  • Linkarena
  • Technorati
  • Google Bookmarks

2 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Hat die reine Weste der Deutschenbehörden doch gewisse Flecken ?
    Geht den hier auch nichts alles seinen richtigen Weg ?

  2. ich denke das ist schon länger so.. leider wird diesen ausländern in den behörden nicht genügend gehör geschenkt, so das der durchschnitzmensch von solchen vorfällen einfach nix mitbekommt…

 

WichtigeLinks

JurBlogEmpfehlungen

Blog'n'Roll