Cem Özdemir kandidiert für das Amt des Grünen Bundesvorsitzenden

4. Juni 2008 | Von E. S. | Kategorie: Leitartikel, Politik | Keine Kommentare | Artikel versenden

Cem Özdemir kandidiert für das Amt des Grünen-Bundesvorsitzenden. Dies wurde am Montag zunächst von allen möglichen Grünen verkündet, bevor Özdemir sich selbst dazu bekannte: “Wenn die Partei das möchte, dann stehe ich zur Verfügung.”

Die Chancen für Cem Özdemir, den umworbenen Posten zu bekommen, stehen nicht schlecht. Berichten zufolge wollen zahlreiche hochrangige Grünen-Politiker ihn bei seiner Kandidatur als Parteichef unterstützen. Nicht ohne Grund: Cem Özdemir ist eine der wenigen in den Reihen der Grünen, die über eine positive Ausstrahlung verfügt und einer, mit der man auch in der breiten Öffentlichkeit punkten kann.

Cem Özdemir, geb. 1965 in Bad Urach (Kreis Reutlingen), verheiratet, eine Tochter, schloss sein Studium der Sozialpädagogik 1994 ab. 1981 trat er der Partei Die Grünen bei. Zwischen 1989 und 1994 war er Mitglied im Landesvorstand der Grünen in Baden-Württemberg. 1994 wurde Özdemir als erster Abgeordneter türkischer Herkunft in den Deutschen Bundestag gewählt, dem er zwei Legislaturperioden lang (bis 2002) angehörte. Zwischen 1998 und 2002 war er innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Seit 2004 ist er Abgeordneter des Europäischen Parlaments (Die Grünen / Freie Europäische Allianz). Übrigens: Cem Özdemir mag es gar nicht, wenn das grandiose Komikerduo Laurel und Hardy hierzulande wenig schmeichelhaft als „Dick und Doof“ bezeichnet wird. (Quelle: oezdemir.de)

Cem Özdemir hat es - im Gegensatz zu vielen anderen Politikern mit Migrationshintergrund - geschafft, innnen- wie außenpolitisch zu vermitteln, dass es ihm als Politiker mit türkischem Hintergrund um das Wohl Deutschlands und des gesamten Volkes geht. Er hat es verstanden, den schmalen Grat zwischen Deutsch- und Migrantsein so zu gehen, dass er breiten Zuspruch nicht nur bei der Mehrheitsgesellschaft finden kann, sondern auch bei Migranten, was politisch immer mehr an Bedeutung gewinnt. Eine Eigenschaft, die in Deutschland Mangelware ist und Özdemirs Wert umso mehr steigert.

Gegenbeispiele unter den wenigen Politiker/innen mit türkischem Hintergrund sind leider die Regel. Entweder verbiegen sich die wenigen populären der politischen Karriere wegen bis zur Unkenntlichkeit oder vermitteln den Eindruck, als wären sie Interessenvertreter einzelner Migrantengruppen und bleiben weitestgehend unbekannt. Erstere vergraulen Migranten, letztere die Mehrheitsgesellschaft, was in jedem Falle zu wenig für einen leitenden Posten ist.

Nicht mit Sonntagsreden allein, teilweise auch mit kontroversen Ansichten auch an ungemütlichen Tagen hat Cem Özdemir es verstanden, auch über die Zeit nach seinem mehr oder weniger freiwilligen Rücktritt 2002 aus dem Bundestag, seine Person aktuell und im Bewusstsein der Bevölkerung zu halten. Dabei hat er nie den Eindruck vermittelt, als ginge es ihm um parteipolitische oder persönliche Interessen. Der Eindruck, dass was er sagt und tut, war stets begleitet von einer klaren Überzeugung, die entweder zum Um- oder zumindest zum Nachdenken verleitet hat. Eine Seltenheit in der deutschen Politikerlandschaft.

Insofern ist seine Kandidatur nur begrüßens- und unterstützungswert und zugleich auch ein deutliches Signal für Deutschland. Cem Özdemir würde, sofern er den Parteivorsitz der Grünen übernimmt, zum Symbol dafür werden, dass entgegensetzt erscheinende Interessen der Mehrheits- bzw. Minderheitsgesellschaft sehr wohl und sogar populär vereint werden können und im Grunde überhaupt nicht konträr sein müssen, da es um das Wohl des Volkes in seiner Gesamtheit geht.

Tipp: Interview mit Cem Özdemir über seine Kandidatur bei Tagesschau.de

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