Die Doppelmoral: Prophet-Karikaturen vs. Comic-Zeichnungen “Popetown”

19. April 2006 | Von E. S. | Kategorie: Leitartikel | 3 Kommentare | Artikel versenden

Es ist wohl Ironie des Schicksals, was uns die Comic-Serie “Popetown” beschert hat. Die Karikaturendebatte um den Propheten Mohammed ist noch nicht ganz abgeklungen, diskutieren wir erneut über ein verblüffend ähnliches Thema. „MTV“ hat angekündigt, die Comic-Serie „Popetown“, die sich über Kirche, Jesus und Papst lächerlich macht, auszustrahlen.

Für Markus Söder, Generalsekretär der CSU, oder Edmund Stoiber um mal zwei zu nennen, - hab ich gerade parat -, war der „Verzicht“ auf die Meinungsfreiheit im Zusammenhang mit den Prophet-Karikaturen „unvorstellbar“. Heute, im Zusammenhang mit “Popetwon” sagt Markus Söder: „Wir brauchen mehr Sensibilität im Umgang mit religiösen Gefühlen, auch mit unseren eigenen. Das hat nichts mehr mit Satire zu tun. Es kann nicht angehen, dass jede noch so geschmacklose religiöse Beleidigung unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit durchgeht.“ Weiter sprach er sich für ein schärferes Blasphemie-Verbot im Strafrecht aus, um alle zentralen religiösen Symbole besser vor ungehemmten Verunglimpfungen zu schützen. „Wir brauchen ein klares Blasphemie-Verbot im Strafrecht. Dazu muss § 166 StGB um konkrete Schutztatbestände erweitert werden“.

Herr Söder brauchte die Verletzung seiner religiösen Gefühle - oder die der Wähler - um zu verstehen, dass es bei der Karikaturendebatte nicht um den “Verzicht” der Meinungsfreiheit ging, sondern um den Schutz ganz bestimmter Werte. Besser spät als nie, sage ich mir und bin wieder ein Stück optimistischer, was gegenseitiges Verständnis angeht. Muslime werden sich zwar zu Recht erneut ungerecht behandelt fühlen und auch kein Verständnis für diese Doppelmoral zeigen. Dennoch sind wir ein Stück weiter. Entweder weil der auch Letzte Wähler irgendwann mal kapieren wird, dass die Politik, insbesondere die der Union, durch und durch vom Populismus geprägt ist oder aber weil Muslime nun besser verstanden werden. Beides ist willkommen.

Ekrem Senol - Köln, 19.04.2006

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3 Kommentare
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  1. Hallo

  2. @ hans, eier

    Hallo :)

  3. Wir brauchen mehr Sensibilität im Umgang mit religiösen Gefühlen, auch mit unseren eigenen. Genau so ist es!

    Stimme ich absolut zu. Ich denke mal diese Pressefreiheit sollte man nicht übertreiben. Es gibt sicherlich andere komische/lustige Karikaturen die man veröffentlichen könnte aber bitte keine religiöse…

    Gruß EREN

 

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