45 Prozent Migrantenanteil im Jahre 2050

6. August 2006 | Von E. S. | Kategorie: Leitartikel | Ein Kommentar | Artikel versenden

titelt die FAZ in seiner Printausgabe vom 5. August 2006.

Im Juni erregte das Statistische Bundesamt Aufsehen mit einer verblüffenden Zahl: Gemäß dem jüngsten Mikrozensus haben fast ein Fünftel aller in Deutschland lebenden Personen einen sogenannten Migrationshintergrund. …

Obgleich wegen der niedrigen Geburtenrate auch demographisch viel dafür spricht, mehr Ausländer ins Land zu lassen, sind sich die meisten Wissenschaftler einig, daß der Zuzug den Rückgang der Bevölkerung und vor allem der Erwerbspersonen niemals ausgleichen könnte. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt zu dem Ergebnis, daß eine Nettozuwanderung von bis zu 710.000 Personen im Jahr nötig wäre, um die Zahl der Erwerbsfähigen konstant zu halten. Dadurch würde sich der Ausländeranteil von heute 9 Prozent auf 45 Prozent im Jahr 2050 erhöhen - eine politisch und kulturell kaum durchsetzbare Vorstellung.

Konsens besteht darüber, daß die gesteuerte Immigrationspolitik der Zukunft andere Berufs- und Bildungsgruppen im Auge haben muß als bisher. … Wegen unterdurchschnittlicher Qualifikation kommen gerade die jüngeren Ausländer in den anspruchsvolleren Arbeitsmärkten immer schlechter unter. Fast jeder vierte Ausländer war im Juli arbeitslos.

Weit verbreitet ist die Forderung, daß die künftige Zuwanderung in die Arbeitsmärkte erfolgen müsse und nicht länger in die Sozialsysteme. Dabei ist der volkswirtschaftliche Gesamtnutzen der Migration nicht eindeutig. Das Ifo-Institut kam 2001 zu dem Ergebnis, daß die Einwanderer unter dem Strich mehr staatliche Leistungen in Anspruch nähmen, als sie an Steuern und Abgaben entrichteten. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) kam 2004 zum gegenteiligen Resultat: Die Einheimischen würden durch die Immigration nicht zusätzlich belastet, sondern müßten dank der Ausländer rund 20 Milliarden Euro weniger an Steuern und Sozialversicherungsleistungen aufbringen. …

Die Türken stellen mit fast 1,8 Millionen Personen die größte Ausländergruppe in Deutschland. Knapp 6 Prozent sind selbständig, rund 68Prozent zählen zu den Arbeitern, 20 Prozent sind Angestellte. Ein Drittel verdient sein Geld im verarbeitenden Gewerbe samt Bergbau, fast ein Viertel in Handel und Gastgewerbe. …

Es führt kein Weg daran vorbei: Entweder werden sich Migranten, vor allem wirtschaftlich, integrieren oder wir werden gemeinsam leiden. Das wird mit Zwang und Sanktionen aber nicht gelingen. Der mediale Anti-Ausländer-Smog muss einer differenzierten Darstellung und politische Stammtischparolen müssen einer sachlichen Debatte weichen. Wir müssen weg von der Zeigefingermentalität hin zur konstruktiven Kritik.

Ekrem Senol - Köln, 06.08.2006

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Ein Kommentar
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  1. [...] geht man davon aus, dass die Zahl der "Ausländer" bis 2050 auf 45% anwächst (Quelle). Dennoch sind diese Aussagen mit Vorsicht zu genießen, ich wollte bloß sagen, dass es immer [...]

 

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