Das deutsche Integrationsmodell

29. April 2007 | Von E. S. | Kategorie: Gesellschaft | 2 Kommentare | Artikel versenden

Unter der Überschrift „Neue Impulse für das deutsche Integrationsmodell“ (ZAR 2007, 1), stellt Integrationsminister des Landes Nordrhein-Westfalen Armin Laschet die These auf, dass „Das „unausgesprochene“ deutsche Integrationsmodell seit der ersten Anwerbung … Integration durch Arbeit und soziale Rechte.“ laute.

Der Historiker … hat darauf hingewiesen, dass 1961 rund 80% aller in der Bundesrepublik lebenden Ausländer erwerbstätig waren, bei der deutschen Bevölkerung hingegen nur 47%. 1971 betrug die Arbeitslosenquote der Deutschen lediglich 1,2%, die der Ausländer hingegen 0,8%.

Weil die Ausländer vorwiegend harte und schmutzige Tätigkeiten mit Akkordlohn und im Schichtdienst ausübten, ermöglichten sie den Deutschen einen betrieblichen und sozialen Aufstieg. Insgesamt stiegen zwischen 1960 und 1970 etwa 2,3 Millionen Deutsche von Arbeitern zu Angestellten auf.

Der Ort, an dem Integration am besten funktionierte (und bis heute am besten funktioniert), war der Arbeitsplatz, der Betrieb.

Weder wurde der Zugang zu politischen Rechten durch eine liberale Einbürgerungspolitik gefördert, noch wurden Einwanderer ermuntert, sich zivilgesellschaftlich zu engagieren. … So wurden 1980, knapp 20 Jahre nach Beginn der Anwerbung aus der Türkei, gerade einmal 399 türkische Staatsangehörige eingebürgert, obwohl bereites mehr als 1,5 Millionen in Deutschland lebten.

Für Deutschland ist typisch, dass bei Integrationspolitischen Entscheidungen zwar über, aber nicht mit Einwanderern gesprochen wird.

Der Integrationsmotor stottert. Arbeit und soziale Rechte stehen als Integrationsressourcen nur noch eingeschränkt zur Verfügung. Strukturwandel und Globalisierung gefährden genau in jenen Bereichen Arbeitsplätze, in denen viele Frauen und Männer mit Zuwanderungsgeschichte tätig sind. Im Produzierenden Gewerbe gingen … die Arbeitsplätze von 10,7 Millionen im Jahr 1991 auf 7,2 Millionen im Jahr 2004 zurück. Das Baugewerbe verringerte die Zahl der Beschäftigten im gleichen Zeitraum von 2,45 auf 1,6 Millionen.

Da Deutschland nie Elitenmigration organisierte, sondern Arbeitskräfte anwarb, die im produzierenden Gewerbe zupacken konnten, trifft die Beschäftigungskriese diese Menschen ganz besonders.

… müssen wir erhebliche Anstrengungen unternehmen, um die Versäumnisse der Vergangenheit wett zu machen … Der Schlüssel für ein neues deutsches Integrationsmodell heißt Bildung.

Ekrem Senol - Köln, 30.04.2007

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2 Kommentare
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  1. Integartion ist zwar ein schönes wort , jedoch ohne gegenstand.
    Solange in Deutschland immer wieder die Negativ erscheinungen einiger Ausländer hervor gehoben wird , die Positiven jedoch nicht erwähnt wird , wird es mit dem Miteinander sehr sehr schwer.
    Das Negative Vorurteil überwiegt in der Deutschengeselschaft.
    Da muß sich etwas ändern , der rest ergibt sich von alleine.

  2. @ coskun

    Genau: schön zurücklehnen und sich integrieren lassen.
    Viel Spaß dabei…

    MfG
    Boo

 

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