Deutsche Bank lernt Türkisch

5. Juli 2006 | Von E. S. | Kategorie: Leitartikel | Ein Kommentar | Artikel versenden

Die Deutsche Bank will mehr Deutsch-Türken als Kunden gewinnen. Unter dem Namen “Bankamiz” (”Die Bank für uns”) plant der Marktführer spezielle Angebote für die erste bis dritte Generation der Einwanderer. Demnach sollen in einer Pilotphase zunächst in zehn Filialen 20 zweisprachige Mitarbeiter die deutsch-türkischen Kunden beraten. Zudem soll es Prospekte und Verträge in den beiden Sprachen geben. Geplant sind solche Angebote zunächst in Berlin, Köln und im Ruhrgebiet. (Quelle: Der Tagesspiegel)

Nun, auf Anhieb weiß ich nicht, was ich davon halten soll. Skurril ist das alles aber schon ein wenig. Seit Monaten hämmern uns Politiker wie Pädagogen zu Recht ein, wie wichtig das lernen der deutschen Sprache ist für die erfolgreiche Integration. In der Wirtschaft dagegen geht man den Weg des Umsatzes. Stimmt die Kasse, stimmt der Rest.

Nicht das erste Mal in der deutschen Geschichte, dass die Wirtschaft eine andere Richtung in der Ausländerpolitik einschlägt als die Regierung. Als die ersten (Gast)arbeiter (Ich mag den Begriff einfach nicht, da Gäste nicht arbeiten. Ein Widerspruch in sich.) nach Deutschland kamen, erhielten sie eine befristete Aufenthaltserlaubnis. Konsequent wurden die (Gast)arbeiter dann auch nach Ablauf der Zeit, zurückgeschickt.

Der Industrie schmeckte diese Regelung allerdings nicht. Es war nachvollziehbar mühsam, alle Jahre wieder neue Arbeiter einzuarbeiten. So waren doch die, die gerade gehen mussten, erst richtig warm geworden. So forderten Industrielle die Politiker auf, des Wirtschaftsbooms wegen, den (Gast)arbeitern längere Aufenthalte zu gewähren, um die Produktivität zu steigern. So geschah es dann auch, wodurch erst unbefristete Aufenthaltsansprüche entstanden. Damals war das aber nur halb so schlimm, da die (Gast)arbeiter neben der Arbeitskraft in mehrfacher Hinsicht Vorteile mit sich brachten. Die ausländischen Arbeiter führten wie die deutschen Arbeitnehmer Lohnsteuer und Sozialbeiträge ab, Sozialleistungen jedoch nahmen sie wesentlich seltener in Anspruch. (Quelle: Wortgestöber). Kein Wunder, dass es damals kein Sprach- geschweige denn ein Integrationsproblem gab.

Bin mal gespannt, ob sich die Geschichte wiederho(h)lt. Wer weiß? Vielleicht lernen nun auch Arbeitsämter türkisch, um Ausländer besser zu vermitteln. Vielleicht wird aber auch “nur” das Zuwanderungsgesetz ins türkische übersetzt, damit auch der letzte Türke versteht, dass er abgeschoben werden kann, wenn er Sozialleistung bezieht (Beispiel).

Ekrem Senol - Köln, 05.07.2006

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