Das Gefühl vermitteln: Ihr seid hier willkommen

9. Oktober 2006 | Von E. S. | Kategorie: Leitartikel | Keine Kommentare | Artikel versenden

Die FAZ brachte in seiner Printausgabe vom 09.10.2006 (Seite 4) ein Interview mit Armin Laschet (CDU), Minister für “Generationen, Familie, Frauen und Integration” von Nordrhein-Westfalen, unter der Überschrift: “Wir brauchen Sprachtests vor der Einreise”.

FRAGE: Was müssen wir in Deutschland lebenden Muslimen abverlangen?

ANTWORT: … Von Menschen, die zum Beispiel im Rahmen des Familiennachzugs nach Deutschland kommen, müssen wir Grundkenntnisse in Deutsch fordern. Wir brauchen Sprachtests im Herkunftsland als Einreisebedingung. …

Die von mir kursiv hervorgehobene Passage scheint für die FAZ unverständlicherweise die Kernaussage Herr Laschets zu sein.

FRAGE: Also bleibt dem Staat wenig anderes, als auf Freiwilligkeit zu setzen?

ANTWORT: Integration kann nicht gelingen, wenn wir nur Forderungen an die Einwanderer stellen. Wir müssen erst einmal das Gefühl vermitteln: Ihr seid hier willkommen. Integration ist gelungen, wenn Einwanderer die gleichen Bildungs- und Karrierechancen haben wie Deutsche. Das liegt auch im Interesse unserer älter werdenden Gesellschaft, weil Einwanderer und ihre Kinder in 20 Jahren unsere Renten erarbeiten und unsere Wirtschaftskraft sichern werden.

Die Überschrift “Das Gefühl vermitteln: Ihr seid willkommen” würde den wahren Gehalt des Interviews besser zum Ausdruck bringen. Im Gegensatz zu den üblichen Verdächtigen in der Union geht Herr Laschet vorbildlich an das Thema Integration heran und beweist Fingerspitzengefühl, wenn es darum geht, den Ausländer zu erreichen, wie der weitere Verlauf des Interviews noch einmal verdeutlicht.

FRAGE: Sie haben eine türkische Journalistin eingestellt, die jeden Morgen die türkischen Zeitungen auswertet. Warum?

ANTWORT: In diesen Zeitungen steht, was Hunderttausende in Deutschland bewegt. Man kann als Politiker das Land sonst nicht verstehen. Wir nutzen diese Zeitungen ganz gezielt, um zum Beispiel für Bildung im Kindergarten zu werben.

Vorbildliche Integrationsarbeit. Wer nicht weiß, was Ausländer bewegt und treibt, kann sie nicht lenken. Herr Laschet geht den richtigen Weg und kommt Ausländern einen Schritt entgegen, indem er türkische Tageszeitungen als Mittel der Kommunikation benutzt. Was bringen es denn auch, wenn Stoibers, Schäubles und Co’s in der Süddeutschen oder der FAZ tagtäglich zum Ausdruck bringen, was von den Ausländern gefordert wird, wenn eben diese Ausländer diese Zeitungen gar nicht lesen (im übrigen gilt das für die Mehrheitsgesellschaft ebenso). Die türkischen Tageszeitungen übernehmen diese Artikel und bringen diese dann mit viel Trara in den Folgetagen auf ihre Seiten, die meist negativ aufgefasst werden, da Artikel in den großen deutschen Tageszeitungen nun mal nicht an Ausländer als Leser gerichtet sind. Über jemanden redet man nun mal anders als mit jemandem. Ein Interview aus der FAZ in der Hürriyet wird leider nun mal anders dargestellt als ein Interview in der Hürriyet mit der Hürriyet. Hinzu kommt das Bewusstsein des Interviewpartners, dass was er sagt, direkt an Ausländer gerichtet ist. Insofern drückt er sich sensibler, zumindest aber gewählter aus. Integrationspolitik ist daher auch ein gutes Stück Fingerspitzenpolitik.

FRAGE: Bisher wählte die Mehrheit der Türken SPD. Wieviel Prozent von ihnen sollen bei der Landtagswahl 2010 CDU wählen?

ANTWORT: 45 Prozent plus x, das ist unsere Marge als Volkspartei! Gerade unter den Türken gibt es eine Menge konservative Menschen, denen Familie, Religion und Werte wichtig sind. Doch sie hatten bisher das Gefühl, sie seien der Union nicht willkommen. Das hat sich geändert.

Meine Stimme, Herr Laschet, hätten Sie, auch wenn Sie der Unionsche Strom ab und an mitschleift, sicher. Leider sind Sie eine große Ausnahme, was auf absehbare Zeit nichts am Zustand ändern wird, dass sich Ausländer in der Union nicht willkommen fühlen werden. Bestes Beispiel:

Bei einer Veranstaltung der hessischen CDU hat der Historiker Arnulf Baring Beifall dafür bekommen, dass er “Eindeutschung” statt Integration gefordert hat. (Quelle: Frankfurter Rundschau vom 09.10.2006 - Wir brauchen Islam-Dialog auf Länderebene)

Ekrem Senol - Köln, 09.10.2006

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