Gastbeitrag: Wohin mit der Moschee?

11. Oktober 2007 | Von E. S. | Kategorie: Gastbeiträge, Gesellschaft | 16 Kommentare | Artikel versenden

Moschee hin, Mosche her. Seit Langem wird in der Öffentlichkeit diskutiert, ob Moscheen in Deutschland gebaut werden sollen oder nicht. Nicht jeder ist für den Bau einer Moschee. Bewegungen, gegen Moscheebauten, waren erst auf kommunaler Ebene tätig, jetzt auf Landesebene. Leute, die heute gegen Moscheebau sind, haben sich in der Vergangenheit dafür stark gemacht, dass die Moscheen aus dem Hinterhoffen raus kommen. Man wisse nämlich nicht, was die Muslime am Abseits der Gesellschaft treiben.

Jetzt ist es endlich so weit. Die Muslime wollen aus dem Hinterhöfen raus. Sie wollen sich zeigen und für jeden sichtbar werden. Die Botschaft wird leider nicht angenommen. Es gibt Leute, die sogar von Kriegserklärung reden. Dabei wollen Muslime, als Teil dieser Gesellsaft, noch offener sein, die Ängste beseitigen. Allein, dass man über so ein Thema diskutiert, ist bedauerlich. Es müsste selbstverständlich sein, dass Muslime Moscheen bauen dürfen.

Daher sollte die Forderung nach Integration anders gestellt werden. Bis jetzt wurde gefragt, ob die Muslime bzw. Ausländer Integrationsfähig sind? Dabei ist die Frage überhaupt nicht gestellt worden, ob die deutsche Gesellschaft integrationsfähig ist? Man sollte ernsthaft die Frage stellen, ob die deutsche Gesellschaft fähig ist, etwas anderes vollkommen gleichberechtigt zu akzeptieren?

Bei Bedarf, könnte man auch über Integrations- und insbesondere über Orientierungskurse für Deutsche nachdenken.

Naci Türk, 11.10.07

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16 Kommentare
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  1. Die Gabe geben zu wollen ist genau so wichtig , wie die Gabe es annehmen zu wollen / können.

  2. Was macht das Leben in Deutschland eigentlich aus? Warum ist man hier? Ich habe einige Jahre im Ausland verbracht und kann für mich nur sagen das es mir hier einfach am besten gefällt. Hier fühle ich mich wohl und auch verstanden. Es gibt auch einige Dinge hier die mir nicht gefallen und die versuche ich auch zu ändern.
    Was ich an ihrem Beitrag nicht verstehe ist warum Sie gleich die ganze Gesellschaft ändern wollen. Wenn es nur um den Bau einer Moschee geht, dann ist dieses ganze Gezeter sicher sehr störend aber es wird an dem längerfristigen Bau nichts ändern, Sie könnten also auf Ihre Orientierungskurse für Deutsche verzichten. Wenn ich Sie jedoch richtig verstehe stört Sie Deutschland und die hier bestehende Kultur im Allgemeinen.
    Sie reden zwar von Integration scheinen mir aber den Wunsch nach einer Zweitgesellschaft zu haben, die “vollkommen gleichberechtigt” neben der Bestehenden steht. Sie wollen nicht mit Ihrer Kultur zur deutschen Beitragen - was natürlich nur sehr geringen Auswirkungen haben kann - sondern den Deutschen Ihre auzwingen.
    Aber vielleicht habe ich auch nur Ihren Wunsch nach Orientierungskursen falsch verstanden.

  3. Ich kann dieses ganze unsägliche Palaver über eine angebliche Paralellgesellschaft nicht mehr hören.

    Als ob es nicht bereits eine Vielzahl von Parallelgesellschaften gäbe.

    - die oberen Zehntausend bilden eine Parallelgesellschaft
    - der katholische Klerus bildet eine Parallelgesellschaft
    - Sinti und Roma bilden eine Paralellges.
    - die jüdische Gemeinde bildet eine Parllelgesellschaft
    - Politiker (Schlagwort Politikerkaste) bilden eine Parallelges.
    - italienische Einwanderer bilden eine Parallelgesellschhaft
    - andere Einwanderer (Serben, Spanier usw.) ebenfalls
    - Hartz 4 Empfänger bilden eine Parllelges.
    - Zeugen Jehovas bilden eine Parallelges.
    - usw. usw.

    die Liste ist endlos.

    Warum sollen nun gerade die Türken die besten Deutschen werden?

  4. @ bastian
    Nur zum Verständniss , es will niemand jemanden ändern.
    Aber es ist genau so falsch anpassung mit Assimilation gleich zu setzten.
    Sie persönlich werden in Ihrem Umfeld genug positive beispiele von Integrierten Türken haben.
    Wenn nicht sollte Sie aus dem Ghetto ausziehen.
    Aber auch da sind die Merheit nicht die Türken sondern auch deutsche und andere.
    Aber was ich meine ist doch , wollen Sie allen ernstens Ihren Positiv Integrierten Türken das Recht auf ein Gotteshaus verweigern ?
    Heute ist Ramazan zu enden gegangen und alle Moslem haben sich in Moscheen getroffen um dieses mit einem Gebet zu begrüssen.
    Wissen Sie wo ich war ?

    In einem Alten Wohnhaus was zu einer Moschee umgestalltet wurde.
    Ich habe mein Gebet mit anderen zusammen im 2 Stockwerk in einem , ich denke das das mal so war , ehemaligen Wohnzimmer verrichtet.
    Habe ich , und viele die mit mir da waren , die sich in dieser Geselschaft mit Ihrer Arbeit und Steuern etabliert haben nicht das Recht in einem Gotteshaus uns zu treffen.
    Gehen Sie doch in so eine Moschee und machen Sie sich ein eigenes Bild.
    Am Tag der Deutscheneinheit hatten Sie die möglichkeit dazu.
    Aber Sie können mir ruhig glauben das Sie jeder Zeit , sofern Sie sich benemen , jeder zeit in so einer Moschee Wilkommen sind.

    Sie verwechseln Transparenz schaffen mit, den rest der Geselschaft zu etwas zwingen.
    Oder hat irgendjemand davon Gesprochen jetzt aus Deutschland ein Islamischen Staat zu machen.

  5. @Coskun

    Ich möchte keinem Türken sein recht auf sein Gotteshaus verbieten. Wegen mir können Sie eine Moschee bauen wo immer Sie wollen. Genau wie jeder andere Deutsche auch müssen Sie aber damit rechnen dass dieses Vorhaben nicht auf gegenliebe stösst - haben Sie schon einmal mitbekommen wie schwierig es sein kann einen Kindergarten in einem Wohngebiet zu bauen - doch das wird schon als persönlicher Angriff gewertet.

  6. @bastian

    Die Absicht ganze Gesellschaft zu ändern habe ich nicht, kann ich auch nicht haben, weil ich mit der Mehrheit zufrieden bin. Ich möchte nur die Gedanken ändern, die gegen den Bau einer Moschee sind bzw. gegen die Integration der Muslime sind.
    Ihre Behauptung, dass mich hier die bestehende Kultur im Allgemeinen stört, stimmt nicht. Sonst könnte ich hier im Deutschland nicht leben. Das heißt aber nicht, dass es keine verbesserungsbedürftige Punkte gibt s.o.
    Von einer Zweitgesellschaft redet heute keine mehr. Die Linie zwischen Integration und Assimilation muss aber deutlich erkennbar sein.
    Eins muss ich noch erwähnen; wir können mit unserer Kultur zur deutschen nur dann einiges beitragen, wenn wir unsere Kultur für jeden zugänglich machen dürften. Dies ist nur dann möglich, wenn wir aus dem Hinterhoffen rauskommen. Dann werden Sie sehen, dass die Kulturen voneinander vieles lernen können.

  7. Als Moslem braucht man keine Gotteshäuser zum Beten. Man kann überall sich der Kaaba widmen und beten. Moscheen gab es zu Prophet Mohammeds Zeiten sowieso nicht. Die sind später als Gegensymbol zu Kirchen errichtet worden. Außerdem gibt es mittlerweile sehr schöne und große Moscheen überall in Deutschland, warum müsses es noch mehr werden? Man muss sich als türkischer Moslem die Gegenfrage stellen: Wie würde ich reagieren, wenn Christen und Juden plötzlich anfangen würden überall in der Türkei ihre eigenen Gotteshäuser zu bauen? Man sollte alles in Relation sehen. Ich muss noch hinzufügen: wenn ein Moslem nur an religiösen Tagen zum Beten in die Moschee geht, dann sehe ich die Rentabilität der vielen Moscheen in Deutschland gar nicht!!

    Nil

  8. @ Nil

    Außerdem gibt es mittlerweile sehr schöne und große Moscheen überall in Deutschland, warum müsses es noch mehr werden?

    Weil nur ein Bruchteil der Moscheen schön sind. Die meisten sind immer noch in Hinterhöfen angesiedelt. Die meisten Bauten sind keine Neugründungen sondern der Umzug von hinten nach vorne!

    Wie würde ich reagieren, wenn Christen und Juden plötzlich anfangen würden überall in der Türkei ihre eigenen Gotteshäuser zu bauen?

    In der Türkei gibt es sehr schöne Kirchen und Prachtbauten in den schönsten Stadtteilen. Im Herzen Istanbuls können Sie, wenn Sie eine weile mal im Straßencaffee auf dem Taksimplatz sitzen, die Kirchenläuten hören. Im Übrigen sind die Kirchen in der Türkei nicht überfüllt wie Moscheen in Deutschland, was auf Bedarf hindeutet. Man sollte eben alles in Relation sehen.

    Ich muss noch hinzufügen: wenn ein Moslem nur an religiösen Tagen zum Beten in die Moschee geht, dann sehe ich die Rentabilität der vielen Moscheen in Deutschland gar nicht!!

    Jeder Freitag ist ein religiöser Tag für Muslime und ein jeder Tag hat fünf Gebetszeiten.

  9. Bei Bedarf, könnte man auch über Integrations- und insbesondere über Orientierungskurse für Deutsche nachdenken.

    Ja, soweit wären wir dann schon.
    Da gab es auch mal einen schönen Vorschlag eines (deutschen) Politikers: weil die Kinder von Einwanderern so schlecht bzw. gar kein Deutsch können, sollten doch die Lehrer deren Sprache lernen.

    Ich werde meiner Frau mal vorschlagen, künftig ein Kopftuch zu tragen, um damit einen Beitrag zur Integration zu liefern…

    Gruß,
    Boo

  10. @ Boo

    Ein Integrations- oder Orientierungskurs für Deutsche ist sicher übertrieben aber nicht abwegig. Ein gewisses maß an Sensibilität für das Thema kann nicht schaden. Studien belegen, dass die Mehrheitsgesellschaft nicht nur ein Problem mit den nicht integrierten hat sondern auch mit den integrierten.

    Pflichtbewusstsein gegenüber den nicht integrierten und denen, die integriert sind, fehlt bei vielen leider auch nach 50 Jahren Einwanderungsgeschichte. Integration kann nur dann gelingen, wenn die Mehrheitsgesellschaft ebenfalls daran interessiert ist. Das Gefühl hat man leider nicht immer.

    Was hält Ihre Frau von der Kopftuchidee? :)

  11. @E.S.,

    Zu dieser Studie: in meinem Bekanntenkreis kenne ich keinen, der ein Problem mit “integrierten” hätte. Im Ernst. Ich persönlich auch nicht. Im Gegenteil: wenn es jemand schafft, in dieser Gesellschaft nach oben zu kommen, hat er/sie es auch verdient (in den meisten Fällen jedenfalls). Wo der herkommt, ist mir egal.

    Ich weiß nicht, was Sie mit “fehlendem Pflichtbewußtsein” gegenüber Einwanderern meinen. In meiner Firma z.B. arbeiten viele Ausländer/Deutsche mit Migr.-hintergrund. Wenn ich helfen kann, helfe ich. Wer keine Hilfe möchte, bekommt auch keine. Wer sich freiwillig in ein fremdes Land begibt, sollte wissen, worauf er sich einläßt. Wenn ich auswandern wollte, würde ich zusehen, daß ich in dem Gastland so schnell wie möglich Fuß fasse. Das fängt mit der Sprache an und geht weiter bis zu Traditionen/Lebensgewohnheiten/Religionen, die ich dort als Gast zu respektieren habe.
    Das gleiche würde für unsere Tochter gelten.
    Die Sprache ist für mich etwas existentiell wichtiges. Ohne Sprachkenntnisse keine Verständigung und logischerweise Nachteile in Schule, Ausbildung und Beruf.

    Mit Forderungen, wie hier teilweise aufgestellt, würde ich mich sehr bedeckt halten. Wenn ich in dem Land Diskriminierungen ausgesetzt wäre, würde ich es verlassen.

    Soweit, so kurz. :-)

    Die Kopftuchidee habe ich meiner Frau noch nicht vorgetragen - ich trau’ mich nicht… :-)

    Gruß,
    Boo

  12. @ Boo

    Niemand würde doch zugeben, dass er ein Problem mit einem Migranten hat, weil er positionell über einem steht. Daher glaube ich Ihnen gern, dass offiziell niemand ein Problem mit integrierten Migranten hat.

    Ich kann die Studie aus meinen Erfahrungen aus nur bestätigen und wohl die meisten Migranten, die es “geschafft” haben ebenso. Perfekt Deutsch und sonstige Umgangsformen sind leider bei weitem nicht ausreichend. Mein Bruder z.B., der eine Affinität zu teuren Autos hat, wird nicht selten von der Polizei befragt, wie er denn zu so einem Auto komme. Auf die Idee, dass er nun einmal fleißig ist und bereits mit 30 ein 10 Jahre bestehendes Unternehmen führt und täglich 4:00 Morgens aufsteht, kommt niemandem in den Sinn. Er ist nun einmal ein Migrant.

    Mir wird nicht selten unterstellt, ich sei ja eigentlich ein Deutscher. Hier aufgewachsen, hier geboren etc. Die Akzeptanz kommt, wenn überhaupt, nur dann, wenn man den Migranten als einen Deutschen sieht oder sehen möchte. Die Akzeptanz, dass ein Migrant einem Deutschen, in welcher Hinsicht auch immer, überlegen sein kann, ist oft nicht vorhanden.

    Das sind sicherlich Einzelfälle und ich kenne viele, die kein Problem mit erfolgreichen Migranten haben. Doch möchte ich unterstreichen, dass eben auch viele leider ein Problem damit haben und sich in vielen Situationen leider daneben benehmen.

    Soweit dazu.

    Zum Kopftuch: “Wer nicht wagt, der nicht gewinnt” :) fällt mir spontan ein aber Sie würden es wohl kaum als Gewinn bezeichnen :)

  13. @E.S.

    Niemand würde doch zugeben, dass er ein Problem mit einem Migranten hat, weil er positionell über einem steht. Daher glaube ich Ihnen gern, dass offiziell niemand ein Problem mit integrierten Migranten hat.

    Da haben Sie mich falsch verstanden. Andersrum: Wenn ich einen Chef mit Migr.-hintergrund und einen ebensolchen Geschäftsführer hätte, wäre mir das schnurzpiepegal. In dem Fall zählt für mich nur das fachliche.
    Einer unserer Geschäftsführer ist z.B. ein A…, und zwar ein deutsches. Wenn ich die Wahl hätte zwischen ihm und einem Migrationshintergründigen mit Verstand, würde ich sagen: Her mit ihm! (wenn ich die Macht hätte :-) )

    Ich bin nicht blöd. Ich weiß natürlich, daß es auch Menschen gibt, die damit ein Problem haben. Ich glaube nur, daß es kein gesamtdeutsches Problem ist. Deshalb die Bemerkung mit dem Bekanntenkreis. Aber vielleicht sind wir ja nur eine Minderheit…

    Meine Frau gefällt mir so, wie sie ist - also ohne Kopftuch. Insofern wäre es wirklich kein Gewinn…
    :-)

  14. [...] Okt, 2007   Artikel versenden Wie es der Zufall will: Im Beitrag “Wohin mit der Moschee” forderte Gastautor Naci Türk noch den Integrationskurs für Deutsche. Gestern [...]

  15. Zum Thema “Kirchen in der Türkei”:
    Die Christen in der Türkei haben keinesfalls das Recht auf freie Religionsausübung. Kirchen dürfen keine Eigentum besitzen, dürfen keine Neubauten machen, dürfen ihre Priester nicht ausbilden. Dazu ständige Angst vor Gewalt. Einen Türken zum Christenum zum Bekehren steht unter Strafe. Viele der Moschen, die das türkische Religionsministerium in Deutschland finanziert, werden aus beschlagnahmtem Kircheneigentum finanziert.
    Es ist nicht ohne Grund, daß die nichtmuslimische Bevölkerung in der Türkei inzwischen auf ca. 1% geschrumpft ist. Zur Erinnerung: Das ist das ehemalische Byzaninische Reich…
    Bevor die Türkei als Model genannt wird, sollten sich beide Seiten die türkischen Zustände ansehen.

    Zum Thema Migranten:
    Es gibt keine Probleme mit “Migranten”. Dänen, Polen, Italiener, auch Japaner, Chinesen oder Brasilianer stellen kein Problem dar. Das Problem mit mangelnder Integration und ständiger Forderung nach separaten Sonderrechten kommt konsistent von *muslimischen* Menschen… einschließlich deutscher Konvertiten.
    Und genau diese Situation gibt es nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt, wo muslimischen Minderheiten in nichtmuslimischen Gesellschaften sind.

    Anstelle zu versuchen, die Geschichte zu ignorieren, sollten wir uns mit der *politischen* Komponente des Islam offen auseinandersetzen. I.e.: Islam nur solange, wie er das freiheitlich-rechtliche Grundordnung akzeptiert.

  16. Oder noch kürzer:

    “Es müsste selbstverständlich sein, dass Muslime Moscheen bauen dürfen.”
    Naci Türk,

    …..es müßte zu dem Zeitpunkt selbstverständlich sein, wo Christen, Juden, Hindus, Buddhisten usw. in islamischen Ländern frei Kirchen, Synagogen und Tempel bauen dürfen.
    Vorher nicht. Zugestimmt?

 

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