Das Gesetz der Fremde - Teil 3: Zurechnung von Einzelschicksalen gegenüber dem Islam

22. September 2008 | Von E. S. | Kategorie: Gastbeiträge, Leitartikel | Keine Kommentare | Artikel versenden

Es gibt zweifellos Muslime, die Fehler begehen. Es gibt auch Muslime, die gegen Gesetze verstoßen. Doch verstoßen sie gegen diese Gesetze aufgrund ihres Muslimseins? Werden sie gewalttätig, weil sie Muslime sind? Ich denke, nicht. In der öffentlichen Wahrnehmung jedoch, begegnen wir diesen Stereotypen sehr oft.

Rhein Triannale 2008 - Tarik Al-Wazir, Mustafa Yeneroglu, Heinrich Wefing, Necla Kelek und Thomas Kufen (v.l.n.r.) Raum: Joachim Janner Tarik Al-Wazir, Mustafa Yeneroglu, Heinrich Wefing, Necla Kelek und Thomas Kufen (v.l.n.r.) - Foto © Michael Kneffel

Rhein Triannale 2008 - Mustafa Yeneroglu, Necla Kelek, Heinrich Wefing, Tarik Al-Wazir und Thomas Kufen (v.l.n.r.) - Foto © Michael Kneffel

Immer wieder stehen wir dem Fall gegenüber, wo sich der Einzelne zwar mit seinem Verhalten gegen den Islam wendet, den Islam in keiner Weise in sein Leben einfließen lässt, sich von ihm weder leiten, noch prägen lässt - aber sich quasi als eine Art Beheimatung als Muslim versteht. Sicherlich kann man ihm dies nicht verwehren. Fatal ist jedoch, dass wiederum von der Öffentlichkeit all sein Verhalten als islamisch ausgelegt wird. So bekommt dann sowohl das Familiendrama einen religiösen Beigeschmack und wird zum religiös motivierten Ehrenmord, den Grund für eine brutale U- Bahn-Schlägerei sucht man in dem vermeintlich gewalttätigen Element des Islams und der patriarchale Habitus wird als von Gott gewollt dargestellt.

Der Einzelne und seine Fehltritte werden damit zum Praxisbeispiel des Islams im Leben. Plötzlich ist es nicht mehr der Einzelne, der die Gesetze übertritt, sondern der Islam wird als das Element stilisiert, das die Gesetze des “Westens” missachtet. Es ist nicht mehr der Einzelne, der durch Gewalterfahrungen in der Jugend und sicherlich viele andere Faktoren zum Gewalttäter wird, nein, es muss der Islam gewesen sein, der ihn zur Gewalt geführt hat.

Realität aus muslimischer Sicht

Auch wird verdrängt, dass solche problematischen Erscheinungen von sicherlich 99 % der Muslime genauso verurteilt werden. Dennoch müssen die meissten Muslime bei jedem dieser Schandtaten befürchten, dass sie als monolithischer Block betrachtet, in Haftung genommen werden. Das nährt wiederum Fremdheit. Es gehört zum Ritual der muslimischen Verbände, dass sie jeden solchen Fall öffentlich verurteilen müssen. Dass sie es verurteilen, ob öffentlich oder nicht, ist selbstverständlich. Die Erwartung, dass gerade sie es tun müssten, zeigt oft, dass sie sich bewähren müssen. Also in der Bringschuld sind. Dies zeugt nicht von Normalität.

Zu wenig wird von den Medien transportiert, dass Muslime sich genauso dem Wohl dieses Landes, dem Wohl jeden seines Bürgers verpflichtet fühlen, wie jeder andere in diesem Land auch.

Zu wenig wird thematisiert, dass die Muslime oftmals doppelt betroffen sind von solchen Fällen. Zum einen, weil der Täter, der einen gemeingefährlichen Anschlag verübt, nicht danach unterscheidet, ob seine Opfer Muslime oder Nicht-Muslime sind. Und zum zweiten, die allgemeine Stimmung, die Muslime in Mithaftung nimmt, weil die Täter dieses Etikett tragen.

Die Lebenswirklichkeit, dass der Alltag hier, auch der Alltag der Muslime ist, die allgemeinen Sorgen auch ihre Sorgen sind, kommt in der öffentlichen Wahrnehmung viel zu wenig zum Tragen.

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